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Deutsches Technikmuseum - Flettner-Rotor

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Die Webseiten der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (SDTB) auf einen Blick:

Stiftung

Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Schwarzweißfoto: Der hintere Rotor wird in einem Stück senkrecht von einem riesigen Schwimmkran auf die BUCKAU heruntergelassen. Im Hintergrund sind ein anderes im Bau befindliches Schiff und die Silhouette der Stadt Kiel zu sehen

Einbau des hinteren Rotors auf der BUCKAU, Kieler Werft 1924; © Archiv SDTB

Foto: Ein Modell des ersten Rotorschiffs BUCKAU im Maßstab 1:50. Die beiden Rotoren wurden aus Spraydosen gefertigt

Modell des Rotorschiffs BUCKAU in der Ausstellung; Maßstab 1:50, Foto: Kirchner, SDTB

Schwarzweißfoto: Frisch gestrichen legt die BUCKAU zu ihrer ersten offiziellen Fahrt ab. Auf der Bordwand ist in großen Buchstaben "Flettner-Rotor" zu lesen. Von Bord winken mehrere Personen in Richtung Ufer. Ein Kameramann am Kai macht Aufnahmen

Die erste offizielle Demonstrationsfahrt der BUCKAU, 7.11.1924 in Kiel, © SLUB Dresden / Deutsche Fotothek / Franz Stoedtner

Schwarzweißfoto: Im Vordergrund die etwa sieben Meter große Yacht mit einem etwa sechs Meter hohen Flettner-Rotor. An Bord sind zwei dunkel gekleidete Männer, die weiße Mützen tragen. Im Hintergrund zwei Motorboote, die die Yacht begleiten

Flettner-Yacht auf dem Wannsee. Foto: Anton Flettner, 1926

Schwarzweißfoto: Ein riesiger Schwimmkran hat gerade den vorderen Rotor auf das Schiff herabgesenkt. Der hintere Rotor ist bereits montiert

Einbau des vorderen Rotors auf der BUCKAU, Kieler Werft 1924; © Archiv SDTB

Der Flettner-Rotor – eine gescheiterte Innovation?

Sonderausstellung in der Schifffahrtsausstellung des Deutschen Technikmuseums

2. Februar bis 1. August 2010

Foto: Blick auf den Bug des Rotorschiffs E-SHIP in der Werft. Es ist 22,5 Meter breit und 130 Meter lang. Die vier Rotoren ragen wie umgedrehte Tischbeine 27 Meter in den Himmel. Der Schlussanstrich fehlt noch. Im Hintergrund Kräne

Rotorschiff E-SHIP 1 im Bau, Dezember 2009 in Emden, Foto: Onno K. Gent; http://filapper.de

Der Flettner-Rotor – ein rotierender Segelersatz

Als am 7. November 1924 in Kiel die BUCKAU als erstes Rotorschiff in See stach, erregte sie großes Aufsehen. Ein solches Schiff hatte die Welt noch nicht gesehen: Es hatte zwei riesige „Litfaßsäulen“ an Deck, die sich lautlos drehten. Der Erfinder dieses neuen brennstoffsparenden Hilfsantriebs war Anton Flettner (1885-1961), ausgebildeter Mathematiklehrer und technischer Autodidakt. Die zylinderförmigen Röhren wurden fortan nach ihm benannt.

Foto: Blick auf eine Reihe von Bilderrahmen mit Fotos, Zeichnungen und Texten über die Geschichte und Entwicklung des Flettner-Rotors

Blick in die Ausstellung, Foto: Kirchner, SDTB

Der Flettner-Rotor leitet den Wind ähnlich einem Segel seitlich ab und nutzt die entstehenden Kräfte für den Vortrieb des Schiffes. Anders als beim Segelschiff lässt er sich jedoch von einer Person alleine bedienen. Trotz seiner erfolgreichen Erprobung auf einem weiteren Rotorschiff, der BARBARA, setzte sich der Rotor in der Praxis nicht durch. In Zeiten erhöhten Umweltbewusstseins und steigender Treibstoffkosten gewinnt die Idee Flettners vom rotierenden Segelersatz jedoch wieder an Aktualität.

Die Ausstellung widmet sich anhand von Fotos, Dokumenten und eines zeitgenössischen Filmes der wechselhaften Geschichte beider Schiffe. Ein Funktionsmodell der BUCKAU im Maßstab 1:50 aus dem Jahr 2001 illustriert die Proportionen der Rotoren und bietet Gelegenheit, sich dem Thema aus dem Blickwinkel eines Modellbauers zu nähern.

Schwarzweißfoto: Blick von vorn rechts auf die BARBARA.  Sie ist 93 Meter lang, ihre drei Rotoren sind 17 Meter hoch. Im Hintergrund die historische Hafenkulisse und ein weiteres großes Schiff; Postkarte: Archiv SDTB

Das zweite Rotorschiff, die BARBARA, im Hamburger Hafen, ca. 1927; Foto: Archiv SDTB

Von der Erfindung zur Realisierung

Die Grundlage für den Flettner-Rotor wurde schon 1851 in Berlin gelegt: Der Physiker Heinrich Gustav Magnus (1802-1870) wies in Experimenten erstmals eine bis dahin unbekannte Kraft nach, die immer dann entsteht, wenn eine Luftströmung auf einen rotierenden Körper trifft, den so genannten Magnus-Effekt. Flettner entwickelte seine Rotor-Idee, nachdem er 1923 von den Forschungsergebnissen von Prof. Ludwig Prandtl (1875-1953), dem Leiter der Aerodynamischen Versuchsanstalt Göttingen, erfahren hatte. Die noch junge Wissenschaft der Aerodynamik lieferte Flettner die nötigen physikalischen Daten und stützte seine Argumentation hinsichtlich der Funktionsfähigkeit des Rotor-Antriebes. Dies überzeugte schließlich auch seine Geldgeber von der Germania-Werft in Kiel. 1924 wurde ein erstes Versuchsschiff, die BUCKAU, und zwei Jahre später ein weiteres, größeres Rotorschiff, die BARBARA, gebaut.

Der Flettner-Rotor in der Krise

Beide Rotorschiffe bewiesen, dass der Rotorantrieb zuverlässig funktionierte. So wurde die BARBARA zwischen 1926 und 1929 für reguläre Handelsfahrten ins Mittelmeer eingesetzt. Trotzdem folgten keine weiteren Aufträge für Rotorschiffe, auch nicht aus den USA, wohin Flettner die BUCKAU 1926 zu Werbezwecken fahren ließ. Brennstoff war damals so preiswert, dass sich für die Reeder der Flettner-Rotor in Hinsicht auf das Verhältnis zwischen eingesparten Mitteln und Investitionskosten nicht schnell genug rentierte. Der Versuch Flettners, die Sport- und Freizeitsegler für den Rotor zu begeistern, misslang ebenfalls.

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1929 und des in Folge zurückgehenden Handels gab der Reeder die gecharterte BARBARA 1931 an ihren Eigner, die Reichsmarine, zurück, die das Schiff verkaufte. Der neue Besitzer nutzte es als reines Motorschiff, die drei Rotoren waren abgebaut. Die Geschichte der Rotorschiffe war somit vorerst beendet.
Flettner selbst wandte sich anderen Dingen zu und konstruierte unter anderem Hubschrauber und eine Fahrzeugbelüftung, die bis heute gebaut wird.

Foto: Die UNIKAT ist ein Katamaran mit zwei ca. sechs Meter langen Rümpfen. Der Rotor ist vier Meter hoch. Sie hängt an der Decke des Ausstellungsraums und kann sowohl von der Galerie als auch vom Erdgeschoss aus betrachtet werden

Versuchsboot UNIKAT (2006) mit Flettner-Rotor (Leihgabe Uni Flensburg), Foto: Kirchner, SDTB

Renaissance des Flettner-Rotors im 21. Jahrhundert?

Als 1973 der Ölpreis infolge der Ölkrise die Brennstoffkosten auch der Reeder in die Höhe trieb, suchte man nach treibstoffsparenden Techniken. In den 1980er Jahren kam man auf Flettners Idee zurück: Blohm&Voss plante den Einbau von Rotoren auf einem Tanker. Dieses Vorhaben wurde jedoch 1986, als der Ölpreis wieder sank, fallengelassen. Heute gewinnt das rotierende Segel wieder an Aktualität – einerseits besteht die Gefahr wieder steigender Ölpreise, andererseits werden regenerative Energien zunehmend genutzt. 2006 wurde ein Flettner-Katamaran an der Universität Flensburg gebaut, der in der Ausstellung zu sehen ist. Voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres wird das erste Rotor-Frachtschiff nach der BARBARA, das E-SHIP 1, in Ostfriesland fertig gestellt sein und seine Fahrt aufnehmen. Dieses Schiff könnte ein neues Kapitel in der Geschichte der Schifffahrt aufschlagen…