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Deutsches Technikmuseum - Technik für Hitlers Olympia

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Webseitenübersicht

Die Webseiten der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (SDTB) auf einen Blick:

Stiftung

Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Foto: Blick auf den Oberrang des Olympiastadions. Über einem Zugang im Zentrum des Bildes befindet sich der Lautsprecher, der wie eine Straßenlaterne aussieht. Dahinter ein geschlossener Aufbau aus Stein, mit Fenstern Richtung Spielfeld.

Löschstrahl-Lautsprecher auf der Haupttribüne des Olympiastadions, 1936

Foto: Ein Reporter mit Kopfhörern sitzt an einem Pult und spricht in ein großes Mikrofon, das an eine Thermoskanne erinnert. Im Hintergrund sieht man weitere Reporter und die Rückansicht des Olympiastadions.

Rundfunkreporter mit Kristallmikrofon während der Schwimmwettkämpfe, 1936

Foto: Die Siegessäule wird halb von einem Pilzlautsprecher verdeckt – man sieht darüber die Statue der Viktoria ("Goldelse"). Der Pilzlautsprecher sieht aus wie eine trichterförmige Straßenlaterne aus Aluminium.

Pilzlautsprecher vor der Berliner Siegessäule, 1936

Foto: Ein kinoartiger Raum voller Menschen, die auf die Leinwand schauen. Vor der Leinwand steht ein kastenförmiger Projektor, der das Bild eines Sprinters beim Zieleinlauf zeigt.

Fernseh-Großbildstelle, Reichspostministerium Leipziger Straße (heute: Kommunikationsmuseum Berlin).

Foto:  Löschstrahl-Lautsprecher auf der Tribüne des Maifelds während des Wettbewerbs der Dressurreiter. Im Hintergrund das mit Fahnen geschmückte Olympiastadion.

Löschstrahl-Lautsprecher auf dem Maifeld

Foto: Zwei Männer mit Hut und Mantel stehen auf dem Spielfeld des leeren Olympiastadions. Der rechte hält ein Messinstrument vor dem Bauch. Der linke richtet ein Mikrofon auf die Tribüne, das per Kabel mit dem Instrument verbunden ist.

Lautstärkemessungen im Olympiastadion, 1936

Technik für Hitlers Olympia

Die Spiele von 1936 als Testfeld neuer Medien

Galerie der Fototechnik-Dauerausstellung, Beamtenhaus 2.OG

13. Juli bis 3. Oktober 2016

Berlin vor 80 Jahren: Die Stadt ist Gastgeberin der XI. Olympischen Sommerspiele, die am 1. August 1936 feierlich eröffnet werden. Das NS-Regime setzt das internationale Sportereignis geschickt zu Propagandazwecken ein.

Foto: Ein abgedunkelter Raum ohne Fenster. Rechts und links befinden sich große Schaltschränke, die von drei Technikern bedient werden.

Kontrollzentrum der Lautsprecheranlage in den Katakomben des Olympiastadions, 1936.

Es wird kein Aufwand gescheut, um durch eine perfekt organisierte Massenveranstaltung die "neue Größe" und scheinbare Weltoffenheit Deutschlands unter Beweis zu stellen.

Die Medien spielen bei der Inszenierung von Olympia eine zentrale Rolle. Neben Printmedien und Film werden auch neu entwickelte elektronische Nachrichtenträger eingesetzt. Durch Live-Berichterstattungen von den Wettkämpfen sollen möglichst viele Menschen direkt an den olympischen Ereignissen teilhaben: über das Radio, öffentliche Lautsprecher und erstmals auch über das Fernsehen.

Die Berliner Firma Telefunken GmbH, seinerzeit führend auf dem Gebiet der Funktechnik und Elektronik und wichtiger Ausrüster der Wehrmacht, übernimmt einen Großteil der technischen Ausstattung und dokumentiert dies mit hochwertigen Fotografien.

Die Ausstellung präsentiert 64 der damals entstandenen und bislang kaum veröffentlichten Schwarzweißaufnahmen. Sie zeigen beispielsweise den Aufbau und Test der Lautsprecheranlage im Stadion oder geben einen Eindruck von der allgegenwärtigen Beschallung des öffentlichen Raums. Die Bilder sind Teil des Firmenarchivs von AEG-Telefunken, das heute im Historischen Archiv des Deutschen Technikmuseums betreut wird.

Grafik: Im Mittelpunkt das Stadion und das Haus des Rundfunks, in Ringen darum das Übertragungsnetz mit Standorten der 320 Mikrofone, 220 Verstärker und 20 Übertragungswagen.

Das Übertragungsnetz des Olympia-Weltsenders

Olympia überall

Erstmals wird von Olympischen Spielen live im Rundfunk berichtet. Gleichzeitig mit der Übertragung an die deutschen und 41 ausländischen Radiosender werden die 3000 Liveberichte auch über öffentliche Lautsprecheranlagen ausgestrahlt. Telefunken stellt dabei die komplette Technik: von den Mikrofonen an den Sportstätten über die Regie-, Verstärker- und Sendetechnik bis hin zu Radioempfängern und Lautsprechern.

In Berlin und weiteren deutschen Städten werden auf vielen öffentlichen Plätzen sogenannte Pilzlautsprecher aufgestellt. Diese Rundstrahler sollen, wie zuvor schon bei diversen Massenveranstaltungen des NS-Regimes erprobt, für eine gleichmäßige Beschallung sorgen.

Fernsehen und Public Viewing

Das Fernsehen befindet sich 1936 noch im Versuchsstadium. Dennoch war schon ein Jahr zuvor in Berlin der erste reguläre Fernsehsender an den Start gegangen. Auf Anordnung des NS-Propagandaministeriums soll es auch erstmals Fernseh-Übertragungen der Olympia-Wettkämpfe geben.

Foto: Vor der mächtigen Seitenwand des Toreingangs steht ein busähnliches Fahrzeug. Auf seinem flachen Dach sitzen unter einem Sonnenschutz Reporter mit einer Filmkamera. Überall sind Olympia-Besucher zu sehen.

Zwischenfilmwagen am Marathontor, 1936

Eine Herausforderung ist die Aufnahme von Fernsehbildern bei Tageslicht. Es wird mit unterschiedlichen Techniken experimentiert: Bei dem von der Reichpost eingesetzten Zwischenfilmverfahren nimmt zunächst eine normale Kino-Filmkamera, die auf einem Transportauto installiert ist, das Bild auf. Der Film wird sofort im Wageninneren entwickelt und von einer mechanischen Fernsehkamera abgetastet. Mit 15 bis 30 Sekunden Verzögerung können dann die Fernsehbilder übertragen werden.

Außerdem kommen drei hochmoderne elektronische Kameras zum Einsatz - darunter die wegen ihres großen Objektivs sogenannte "Olympiakanone", die Telefunken eigens für diesen Anlass gebaut hat.

Foto: Zuschauer auf Holzstuhl-Reihen in einer öffentlichen Fernsehstube. Die Mattscheiben der zwei Fernseher vor ihnen sind kaum größer als bei einem heutigen Tablet-PC.

Public Viewing 1936

Diese vier Kameras übertragen täglich acht Stunden Bewegtbild. In Berlin gibt es 75 Empfangsgeräte - die meisten stehen in den 27 öffentlichen Fernsehstuben. Zwei weitere Stuben befinden sich in Potsdam und Leipzig. Die Fernsehvorführungen sind für das damalige Publikum ein Erlebnis. Allerdings lassen sie sich kaum mit dem Public Viewing unserer Tage vergleichen: Die Mattscheiben der Fernseher sind kaum größer als bei einem heutigen Tablet-PC.

Headerfoto: Die Telefunken-Fernsehkamera "Olympiakanone". Hinter der Kamera der junge Walter Bruch, der spätere Erfinder des deutschen Farbfernsehsystems PAL.

© Für alle Fotos und Grafiken: SDTB / Historisches Archiv



Film: Kurator Bernd Lüke in der Ausstellung

Filmlänge: 3:20 Min. © SDTB / SMIDAK Filmproduktion