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Deutsches Technikmuseum - Vom Kaufhaus zum Tacheles - die Friedrichstraßen-Passage

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Die Webseiten der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (SDTB) auf einen Blick:

Stiftung

Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Foto: Der monumentale Eingang hat ein Dach wie eine Pyramide.

Imposanter Torbaueingang an der Friedrichstraße.
Foto: F. Kullrich

SW-Foto: Die Steinfigur Mann mit Känguru versinnbildlicht die Ausbreitung des Handels über die ganze Welt bis nach Australien.

Die Figur am Eckpfeiler steht für den Handelsplatz Australien. Foto: F. Kullrich

SW-Foto: Der Ausstellungsaal ist luxuriös ausgestattet: Der untere Teil der Wände ist mit blauem Samt bespannt, der obere Teil ist mit edlen Holzverzierungen geschmückt.

Der blaue Saal - mit Wandbespannung aus blauem Samt. Foto: F. Kullrich

SW-Foto: Über die nördliche Freitreppe im Kuppelraum, dessen Fußboden aus verschiedenen Mosaiken besteht, gelangte man zur Ausstellung.

Treppenaufgang zur „AEG-Ausstellung der Fabriken“, um 1930.
Foto: Paul Lieberenz, AEG-Telefunken-Bestand

SW-Foto: : Das Gebäude ist sehr verfallen und trist, viele Fenster sind kaputt oder zugemauert. Die Fassade ist mit Plakaten beklebt und mit dem Namen Tacheles bemalt.

Eingang zum "Tacheles" und zum Kino Cinema, 1991.
Foto: A. Rost

SW-Foto: Blick von einer Brachfläche mit Bauschutt auf die Gebäuderuine. Es fehlen teilweise die Außenwände und Dächer. Im Bildvordergrund ist eine Autoinstallation mit einem Trabant und zwei Volkswagen zu sehen.

Blick auf das Gebäudegerippe Richtung Oranienburger Straße, 1991. Foto: A. Rost

Vom Kaufhaus zum Tacheles

Fotografien der Friedrichstraßen-Passage in Berlin

Galerie der Fototechnik-Dauerausstellung, Beamtenhaus 2.OG

12. Oktober 2016 bis 4. April 2017

Foto: : Die Aufnahme verdeutlicht die Größenordnung von Kuppel, Torbogen und Passage mit ihren jeweiligen Ausschmückungen. Die hölzerne „Rialto-Brücke“ war ein bequemer Übergang im ersten Stock.

Blick aus dem Kuppelraum auf die "Rialto-Brücke" in der Passage Richtung Oranienburger Straße, 1908. Foto: F. Kullrich

Eleganter Konsumpalast, repräsentative Konzernadresse, umkämpftes Kunsthaus: die 1908 eröffnete Friedrichstraßen-Passage blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück.

Der Berliner Fotograf Franz Kullrich (1864-1917) dokumentierte die Architektur des Passage-Kaufhauses direkt nach dessen Fertigstellung 1908.

Aufnahmen aus der Zeit zwischen 1928 und 1935, als der Baukomplex unter dem Namen "Haus der Technik" der AEG als Ausstellungs- und Verkaufsraum diente, veranschaulichen eine weitere Etappe der Nutzung.

Anfang der 1980er Jahre wurde der größte Teil der Passage gesprengt; das letzte erhaltene Fragment besetzten Künstler im Februar 1990 und tauften es "Tacheles". Andreas Rost, Fotograf und Mitbesetzer der ersten Stunde, hat die Ruine zwischen 1990 und 1992 in stimmungsvollen Bildern eingefangen.

Beeindruckender Konsumtempel

Am damaligen Rand der City gelegen, beeindruckte der fünfgeschossige Monumentalbau zwischen der Friedrichstraße und der Oranienburger Straße in vielerlei Hinsicht: Die Gebäudegrundfläche umfasste ca. 10.000 Quadratmeter, die Passagenlänge betrug etwa 150 Meter und der 48 Meter hohe zentrale Kuppelraum maß 28 Meter im Durchmesser. Er wurde durch eine klassische Rotunden-Konstruktion mit unzähligen kleinen Glasfenstern gekrönt.
Neuartig und viel beachtet war vor allem der für die Konstruktion verwendete Werkstoff: Stahlbeton, das Baumaterial des neuen Jahrhunderts. Die Inneneinrichtung mit Mosaiken, Mahagoniholz und Marmor war edel und imposant, die Technik innovativ: über die größte Rohrpostanlage Europas bedienten 150 Einzelkassen eine Zentralkasse.

SW-Foto: Im Rahmen der Veranstaltung "Berlin im Licht" installierte die AEG Neon-Leuchtbuchstaben auf dem Dach des Hauses und leuchtende Zylinder an der Fassade.

AEG-Fassadenbeleuchtung als Musterbeispiel neuzeitlicher Lichtreklame, 1928. Foto: AEG-Telefunken-Bestand

Das Haus der Technik

Von 1928 bis 1945 war der Passage-Bau unter dem Namen "Haus der Technik" vor allem als Präsentationsort der Erzeugnisse der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) bekannt. Die AEG war einer der weltgrößten Elektrokonzerne der damaligen Zeit. Der gewaltige Bau, der mittlerweile günstig im Stadtzentrum lag, bot dem Unternehmen die Möglichkeit, Ausstellung, Verkauf und Vertrieb an zentraler Stelle zu konzentrieren.

Architektonisch wurde die Passage bereits 1924 neu gestaltet – ihre Decke wurde auf die Höhe der Ladengeschäfte abgehängt. Durch diese Stahl-Glas-Konstruktion veränderte sich ihr Gesamteindruck vollständig. Die einstige Pracht war nur noch im Kuppelraum und an der Außenfassade ablesbar.

Umkämpfte Ruine: das Kunsthaus "Tacheles"

In Folge von Kriegs-und Nachkriegsschäden wurde der größte Teil der Friedrichstraßen-Passage Anfang der 1980er Jahre gesprengt. Im April 1990 sollte der noch verbliebene Bauteil folgen. Am 13. Februar 1990 besetzten Künstler das letzte erhaltene Fragment des historischen Gebäudes und bewahrten es so vor dem Verschwinden. Die Ruine wurde "Tacheles" getauft und steht seit 1990 unter Denkmalschutz.

SW-Foto: Blick über die Oranienburger Straße auf das "Tacheles".

International bekannt: Das Kunsthaus "Tacheles" in der Oranienburger Straße, 1991. Foto: A. Rost

Das wild-anarchistische Kunsthaus wurde zum Sinnbild für Berlin als eine kreative, unkonventionelle und weltoffene Stadt. Bis zur Räumung am 4. September 2012 war es ein Ort für kulturelle Veranstaltungen und Zentrum avantgardistisch-experimenteller Kunstprojekte mit überregionaler Ausstrahlung.

Derzeit wird die berühmte Ruine in begehrter Lage unter der künstlerischen Leitung des Architekturbüros Herzog & de Meuron in ein umfassendes Bauvorhaben integriert. Eine weitere kulturelle Nutzung ist in der Denkmalakte festgeschrieben.

Headerfoto: Blick in den Kuppelraum Richtung Ausgang Friedrichstraße, 1908. Foto: Franz Kullrich

© Für alle Fotos: SDTB / Historisches Archiv