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Deutsches Technikmuseum - Januar 2017

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Die Webseiten der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (SDTB) auf einen Blick:

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Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Objekt des Monats Januar 2017

Foto: Ein weinrotes Eisenbahnwagen-Modell aus Blech. Das Dach lässt sich aufklappen und man erkennt die puppenstubenartige Inneneinrichtung.

Märklin-Spielzeugmodell eines MITROPA-Schlafwagens, Ende der 1930er Jahre (Spur 1, Maßstab 1:32). Das Vorbild sind ältere preußische Wagen mit Oberlicht. © SDTB / Foto: C. Kirchner

Grafik: Elegante rote MITROPA-Schlafwagen sausen an stilisierten Hochhäusern einer futuristischen Großstadtkulisse vorbei.

MITROPA-Plakatwerbung, 1929 © Museum Folkwang/Deutsches Plakat Museum, Essen

Spielzeug-Modelle von MITROPA-Wagen, 1930er Jahre

Vor 100 Jahren, am 1. Januar 1917, nahm die "Mitteleuropäische Schlafwagen und Speisewagen-Gesellschaft" MITROPA den Betrieb auf.

Ihre Gründung mitten im Ersten Weltkrieg war politisch motiviert, denn zuvor wurden viele Speise- und Schlafwagen auch in Deutschland von der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) betrieben. Diese gehörte aber den Kriegsgegnern Frankreich und Belgien.

Nach dem Krieg wurde die MITROPA bald zu einem Synonym für luxuriöses Reisen. Der amerikanische Schriftsteller Thomas Wolfe schwärmte vom "guten Essen" und dem "weltmännischen Aussehen der Reisenden" in den Speisewagen, vom "Bild von Reichtum, Eleganz und Luxus" und von "der gediegen-vornehmen Einrichtung".

Dazu trug der Berliner Grafiker Karl Schulpig (1884-1948) entscheidend bei. Er legte für die MITROPA-Wagen den eleganten weinroten Anstrich fest, der sich vom schmutzig-grünen Einerlei des Reichsbahn-Wagenparks abhob.

Grafik: Das Logo der MITROPA besteht aus einem kantig-stilisierten Adler über einem Rad, die Buchstaben des Schriftzugs sind an den Ecken abgeschrägt wie bei einem Holzschnitt.

MITROPA-Logo und Schriftzug des Berliner Grafikers Karl Schulpig © Arjan den Boer

Markantes Markenzeichen für ein modernes Image

Schulpig gehörte zu den Pionieren des Logo-Designs, seine Markenzeichen für die Allianz-Versicherung oder Bolle blieben über Jahrzehnte in Gebrauch.

Für die MITROPA schuf er den markant eckigen Schriftzug und das Adler-Logo. Das moderne Image wurde durch Werbeplakate verstärkt, auf denen die roten Wagen vor einer Kulisse entlangschnellen, die an die Großstadtvisionen des Films Metropolis erinnert.

Und selbst die Spielzeugindustrie setzte auf die Symbolkraft von Farbgebung und Logo, wie die als Objekt des Monats gezeigten Märklin-Modelle aus den 1930er Jahren zeigen: Stark verkürzt und vereinfacht, stellen sie dennoch überzeugend Fahrzeuge der Bauart von 1927 dar – und trugen das "Bild von Reichtum, Eleganz und Luxus" bis in die Kinderzimmer der Zeit.