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Deutsches Technikmuseum - Rübenzucker in Preußen

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Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Preußen – Wiege des Rübenzuckers

Kupferstich: Porträt des ungefähr fünfzigjährigen Franz Carl Achard als Direktor der physikalischen Klasse der königlich preussischen Akademie der Wissenschaften in Berlin.

Franz Carl Achard (1753-1821), Kupferstich von Bollinger, 1800. © SDTB/Foto: Historisches Archiv, Bestand Zucker-Museum

Die Entdeckung des Zuckers in der Rübe

Im Jahre 1749 veröffentlichte der Berliner Chemiker Andreas Sigismund Marggraf (1709 bis 1782) eine Entdeckung, die er bei der systematischen Untersuchung von Pflanzensäften gemacht hatte.

In dieser wegweisenden Arbeit beschrieb er, wie er aus den Wurzeln des weißen Mangolds und der roten Rübe ein "Salz" gewonnen habe, das sich in nichts von dem "wahren, vollkommenen Zucker" unterscheide, der aus dem Zuckerrohr gewonnen werde.

Erste Zuckerrübenzucht

Erst über 30 Jahre später machte sich Franz Carl Achard (1753-1821), Marggrafs Schüler und sein Nachfolger als Direktor der Königlich-Preußischen Akademie, an die praktische Verwertung dieser Entdeckung.

Mit schier unendlicher Geduld steigerte Achard durch fast 20-jährige gezielte Züchtung den Zuckergehalt der Runkelrübe, bis er die ersten Zuckerrüben in den Händen hielt. Aus ihnen gewann er den ersten Rübenzucker. Alle heute bekannten Zuckerrübensorten stammen von den Pflanzen ab, die der "Vater der Zuckerrübe" ab 1783 im heutigen Berlin-Kaulsdorf züchtete.

Achard entwickelte darüber hinaus das grundsätzliche Verfahren und die Gerätschaften zur großtechnischen Gewinnung von Rübenzucker. Mit finanzieller Unterstützung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. errichtete er 1801 in Cunern/Schlesien die erste Rübenzuckerfabrik der Welt.

Modell der Rübenzuckerfabrik Cunern: Rechts die große Rübenwaschtrommel, im linken Bereich große Fabrikhallen, in denen zahlreiche Arbeiter Rüben trocknen, lagern, schnitzeln et cetera.

Detail: Modell der ersten Rübenzuckerfabrik der Welt in Cunern, 1802-1807, erbaut 1801.

Entstehung der Rübenzuckerindustrie

Die Rübenzuckerindustrie verdankte Napoleon Bonaparte ihren ersten, kurzen Aufschwung. In Berlin verfügte Napoleon 1806 die so genannte Kontinentalsperre. Diese Wirtschaftsblockade richtete sich gegen Großbritannien und sollte den Handel mit britischen Kolonialwaren auf dem Kontinent unterbinden. Die so gestoppte Einfuhr von Kolonialzucker führte zu einer ersten Gründungswelle von Rübenzuckerfabriken.

Der Aufschwung war aber nur von kurzer Dauer. Nach dem Sturz Napoleons 1813 und der Aufhebung der Kontinentalsperre überschwemmte der angesammelte Kolonialzucker zu billigen Preisen die Märkte Europas.

Dem war die junge Rübenzuckerindustrie nicht gewachsen. Nur eine einzige Rübenzuckerfabrik in Frankreich hielt der Konkurrenz stand. Diese Fabrik des Louis F. Crespel-Delisse (1789-1855) im französischen Arras wurde zur Keimzelle der zweiten Gründungswelle in der Rübenzuckerindustrie in den 1830er Jahren. Das bedeutete den Durchbruch für den Rübenzucker in Europa und den Beginn eines langen Streits zwischen Frankreich und Deutschland darüber, wer den Rübenzucker erfunden habe.

Rübenzucker als Volksnahrungsmittel

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in ganz Europa zunehmend Zuckerrüben angebaut. Der Konsum stieg und die Preise sanken. Der Zucker entwickelte sich damit vom Luxusartikel zum Volksnahrungsmittel. Von 1850 bis 1900 sank der Rohzuckerpreis auf ein Drittel seiner ursprünglichen Höhe. Die Zuckerrübe hatte sich durchgesetzt.