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Deutsches Technikmuseum - Juli

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Objekt des Monats Juli 2017

Foto: In einem länglichen Holzrahmen befindet sich ein skaliertes Glasröhrchen mit Quecksilber. Das Röhrchen weist am oberen Ende eine auffällige Biegung auf.

Das Tiefseethermometer - eine wichtige Erfindung zur Erforschung einer fremden Welt © SDTB / Foto: C. Kirchner

Tiefseethermometer von Negretti & Zambra, um 1880

Vor 160 Jahren, im Jahr 1857, gelang ein Durchbruch im Messen von Tiefseetemperaturen: Das erste zuverlässige Tiefseethermometer wurde erfunden.

Präzise Messungen von Wassertemperaturen in der Tiefsee, also ab 200 Metern, waren zuvor nicht möglich. Lässt man ein Thermometer in die Tiefe hinab und zieht es dann wieder herauf, so durchläuft es beim Heraufholen obere Wasserschichten mit anderen Temperaturen. Das Thermometer zeigt daher nicht mehr unverfälscht die Temperatur der Tiefenschicht an.

Exakte Temperaturmessung per Ruck

Mit der Entwicklung des hier abgebildeten Tiefseethermometers konnte hingegen die Anzeige der in der Tiefe herrschenden Temperatur bis zum Ablesevorgang auf dem Schiff fixiert werden.

Charakteristisch für das Thermometer des britischen Instrumentenherstellers Negretti & Zambra sind die Verengung und die auffällige Biegung des Glasröhrchens mit dem Quecksilber. Das Thermometer wird an der Lotleine so ausgerichtet in die Tiefe abgesenkt, dass das noch leere Auffangreservoir des Glasröhrchens nach oben zeigt.

Foto: Das metallische Firmenschild am oberen Thermometerende. Inschrift: NEGRETTI & ZAMBRA - PATENT STANDARD - DEEP-SEA THERMOMETER

Patentiertes Messgerät aus London, zum Ganzfoto bitte zoomen! © SDTB / Foto: C. Kirchner

Soll nun in der gewünschten Meerestiefe die Temperaturanzeige fixiert werden, wird ruckartig an der am Holzrahmen des Thermometers befestigten Lotleine gezogen. Durch den Ruck reißt der Quecksilberfaden an der verengten Stelle ("breaking point") ab.

Das ganze Thermometer dreht sich so, dass sich das Auffangreservoir nun am unteren Ende des Instruments befindet und der abgerissene Quecksilberfaden in das Reservoir fällt. In dieser Position wird das Thermometer nach oben gezogen. An Bord kann dann die Menge des aufgefangenen Quecksilbers in die Temperatur der entsprechenden Meeresschicht übersetzt werden.

Ein solches Tiefseethermometer von Negretti & Zambra kam zum Beispiel auf dem Forschungsschiff S.M.S. GAZELLE zum Einsatz. Unter Kommando des späteren Vizeadmirals Georg Freiherr von Schleinitz brach die preußische Korvette im Juni 1874 von Kiel aus zu einer zweijährigen Forschungsreise zum Kap der Guten Hoffnung auf.