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Deutsches Technikmuseum - März

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Die Webseiten der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (SDTB) auf einen Blick:

Stiftung

Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Objekt des Monats März 2017

Foto: Ein Werbeträger in Form einer Litfasssäule mit einem spitz zulaufenden und über die Säule hinausragenden, blauen Dach. In bunten, plakativen Darstellungen im Stile der 1950er Jahre sind Anwendungsmöglichkeiten für das Medikament abgebildet.

Werbeaufsteller für Contergan, circa 1958 © SDTB / Foto: Clemens Kirchner

"Glück
hatte ein Bote, dem ein mit sehr wirksamen Schlaftabletten gefüllter Karton abhanden kam: da es sich um das ungiftige Contergan handelte, brauchte er weder Polizei noch Rundfunk zu alarmieren,
mehr Glück
aber noch der Finder: wie er sich auch entscheidet, ihm wird nichts passieren, er wird Ruhe haben und nachts gut schlafen. Sollte ihn jedoch das schlechte Gewissen zu einer Verzweiflungstat treiben, so wird er nach dem Erwachen merken, daß man mit
Contergan
nur schläft und nicht verzweifelt."

Werbesäule für das Medikament Contergan, 1958

Aus heutiger Sicht wirkt der leichtfüßige Text auf dieser Werbesäule für das lange Zeit frei verkäufliche Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan mehr als blauäugig.

Gerade die in der Werbung hervorgehobene angebliche Ungefährlichkeit hatte viele Schwangere dazu bewogen, das Mittel nicht nur gegen Schlafstörungen, sondern auch gegen die morgendliche Übelkeit einzunehmen.

Bei seiner Einführung im Oktober 1957 war Contergan noch rezeptfrei zu bekommen. Erst nachdem sich Fälle von Missbildungen bei Neugeborenen häuften, wurde es ab Sommer 1961 unter Rezeptpflicht gestellt und im November dann ganz vom Markt genommen.

In dem Zeitraum, in dem das Mittel verfügbar war, wurden weltweit 10.000 durch Contergan geschädigte Kinder geboren, davon allein 4.000 in Deutschland. In den USA hingegen verhinderte die engagierte Pharmakologin Frances Oldham Kelsey die Zulassung des Medikaments für den US-Markt.

Die Abbildung zeigt in bunten, plakativen Darstellungen im Stile der 1950er Jahre Anwendungsmöglichkeiten für das Medikament Contergan. In einem launigen Text wird die Ungefährlichkeit dieses vielfach verwendbaren Arzneimittels hervorgehoben.

Ausschnitt der Säulenplakatierung. Zur Gesamtansicht bitte zoomen!© SDTB / Foto: Clemens Kirchner

Skandal mit weitreichenden Folgen

Der Skandal um das Medikament wirkte sich unmittelbar auf das Arzneimittelrecht und die Zulassung von Medikamenten aus. 1961 wurde in Deutschland das erste Arzneimittelgesetz erlassen und, ebenfalls als Folge des Contergan-Skandals, 1976 neu gefasst.

Seitdem müssen für die Zulassung eines Medikaments seine Wirksamkeit, Qualität und Unbedenklichkeit nachgewiesen werden. Die Pharmafirmen bleiben auch danach für die Sicherheit und Qualität ihrer Produkte verantwortlich. Sie müssen Nebenwirkungen auswerten, Ärzte und Zulassungsbehörden informieren und gegebenenfalls warnen. Ausführliche Angaben auf Packung und Beipackzettel wurden zur Pflicht.

Das zunächst strikte Werbeverbot für Schlaf- und Beruhigungsmittel wurde inzwischen gelockert.