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Deutsches Technikmuseum - Zündapp

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Webseitenübersicht

Die Webseiten der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (SDTB) auf einen Blick:

Stiftung

Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Foto: Im Vordergrund liegen rund 20 Zylinder mit ihren typischen Kühlrippen auf einem Fließband, das hier beginnt. Darüber ist ein Schild mit der Aufschrift "Cylinder", geschrieben mit einem "C". Im Hintergrund viele Maschinen und ihre Antriebe.

Motorzylinder liegen am Anfang eines Laufbandes bereit. Dieses befördert sie zu den einzelnen Fertigungsstationen, wo sie weiter bearbeitet werden.

Foto: Eine lange Schlange von Motorrädern steht auf einem Fließband, das von rechts vorne nach links hinten durch das Bild läuft. Es fehlen noch die Hinterräder, für deren Einbau Schrauben in flachen offenen Holzkisten bereit liegen.

Entlang von Laufbändern werden die Motorräder in Handarbeit montiert. Hier liegen in Holzkisten Schrauben und Muttern für den Einbau von Hinterrädern bereit.

Foto: In einer langen Reihe stehen Motoren, die jeweils an ein senkrecht nach oben führendes Abgasrohr angeschlossen sind. Diese münden in ein horizontales Sammelrohr, das die Gase ins Freie leitet.

Fertig montierte Motoren werden auf einwandfreien Lauf geprüft; die senkrechten Rohre führen dabei die Abgase ab.

Foto: Zwei Arbeiter stehen vor hölzernen Kabinen, die auf Tische montiert sind. Sie sprühen Farbe auf Motorradfelgen. Insgesamt sind vier hintereinanderliegende Lackierkabinen erkennbar.

Mit Kompressoren und Sprühpistolen entspricht die Lackierung dem aktuellsten Stand der damaligen Technik. Absauganlagen verringern zwar die Belastung der Arbeiter, doch Atemschutz gibt es nicht.

Foto: Gestaffelt hintereinander stehen vier nach hinten geneigte Zeichenbretter in einem leeren Raum. Sie werden von links durch Fenster mit Tageslicht beleuchtet. Hier arbeiteten die Konstrukteure im Stehen.

Werkseigene Entwicklung: An diesen Zeichentischen entstehen die Baupläne für die Produktion.

Hundert Jahre Zündapp

Industriefotos von Albert Renger-Patzsch

Galerie der Fototechnik-Dauerausstellung

19. April bis 16. Juli 2017

Foto: Maschinen füllen in langer Reihe den Raum. Darüber läuft unter der Hallendecke, schräg durch das Bild, der Antriebsmechanismus: Ein großes Rad im Vordergrund bewegt ein Förderband, an dem einzelne flache offene Kisten hängen.

Eine der drei Fertigungsstraßen: Zentrale Großmotoren treiben über Umlenkrollen an der Decke die Förderbänder an, mit denen kleine Teile in Kisten zum Einbauort gebracht werden.

Es lässt sich auf den Tag genau belegen: Am 7. Februar 1930 besuchte der renommierte Fotograf Albert Renger-Patzsch (1897 - 1966) das im Jahr zuvor errichtete Nürnberger Werk des Motorradherstellers Zündapp.

In 62 Fotografien dokumentierte er das gesamte Unternehmen: Gebäude, Sozial- und Direktionsräume - vor allem aber die Werkhallen mit ihrem Maschinenpark.
Aus Anlass des Gründungsjubiläums 1917 werden 23 dieser Originalabzüge präsentiert.

In den Aufnahmen finden sich alle Elemente, die Renger-Patzsch zu einem Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit in der Fotografie machen: Exakt in Reihe stehende Motorräder zeigen ornamentale Qualitäten, Handräder an Maschinen wirken wie abstrakte Malerei, die Sheddächer der Fabrik werden zu einem Spiel von Linien.

Darüber hinaus sind die Bilder sozialhistorische Dokumente, zeigen sie doch raue Arbeitsbedingungen: Der Arbeiter am Säurebad trägt keine Schutzbrille, offene Transmissionsriemen durchziehen die Hallen und der Lackierer trägt keinen Atemschutz.
Renger-Patzsch dokumentiert auch Wirtschafts- und Industriegeschichte: In allen Produktionsabläufen dominiert das Fließband, dem das Unternehmen Zündapp seinen Erfolg entscheidend verdankte.

Wirtschaftlicher Erfolg durch Rationalisierung

Die Firma "Zünder-Apparatebau GmbH" wurde 1917 in Nürnberg gegründet - wie der Name schon andeutet, vor allem zur Herstellung von Rüstungsgütern. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs suchte das Unternehmen neue Betätigungsfelder und fand diese im Bau von "Motorrädern für jedermann". Durch damals hochinnovative Fließbandfertigung konnte der Preis mit 1.425 Reichsmark schon beim ersten Serienmodell "Z 22" vergleichsweise niedrig gehalten werden - ein Kleinwagen kostete das Zwanzigfache.

Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Bis Ende der 1930er Jahre stieg Zündapp zu einer der fünf größten Motorradfabriken Europas auf. Nach dem Krieg konnte man mit Modellen wie dem "Grünen Elefant" KS 601 oder dem Motorroller "Bella" an frühere Erfolge anknüpfen und trug zur Mobilisierung der Bevölkerung im Wirtschaftswunder bei. Anfang der 1980er Jahre verlor das Unternehmen dann jedoch den Anschluss an die japanische Konkurrenz. Im August 1984 musste der letzte deutsche Motorrad-Hersteller in Familienbesitz Konkurs anmelden.

Foto: Auf einem Fließband sitzt ein Arbeiter mit Schirmmütze auf einem Motorrad. Rechts von ihm steht eine etwa einen Meter große Uhrenscheibe mit den Werten Null, Ein-Viertel, Ein-Halb und Drei-Viertel.

Die bereits zugerüsteten Werkzeugtaschen zeigen, dass die Maschine auslieferungsbereit ist - nun folgt nur noch der Testlauf. Die große Uhr dient der Abstimmung auf die Zeitintervalle des Fließbands.

Der Zündapp-Nachlass im Deutschen Technikmuseum

Das seit den 1960er Jahren in München angesiedelte Werk wurde 1984 an ein chinesisches Unternehmen verkauft, das es komplett demontierte und im heimischen Tianjin wiederaufbaute.

Dem 1983 eröffneten Museum gelang es, sowohl das komplette Zündapp-Werksarchiv als auch das umfangreiche Firmenmuseum zu übernehmen. Dazu gehören viele Fahrzeuge, darunter auch das Ergebnis eines kurzlebigen Versuch des Unternehmens, ins PKW-Geschäft einzusteigen: Das Kleinauto "Janus", in dem der Fahrer und ein einziger Beifahrer Rücken an Rücken Platz nehmen. Heute wird das Kuriosum in der Ausstellung "Mensch in Fahrt" präsentiert.

 

Headerbild: Ein rundes Dutzend Motorräder steht dicht an dicht nebeneinander, alle Lenker sind nach rechts gedreht. So entsteht ein Gewimmel von parallelen, gleichartigen Motorradteilen, die eine grafische Struktur ergeben.

© für alle Fotos (alle schwarzweiß): Albert Renger-Patzsch Archiv/ Ann und Jürgen Wilde/ VG Bild-Kunst, Bonn 2017