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Deutsches Technikmuseum - Zündapp

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Die Webseiten der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (SDTB) auf einen Blick:

Stiftung

Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Hundert Jahre Zündapp

Industriefotos von Albert Renger-Patzsch

Galerie der Fototechnik-Dauerausstellung

19. April bis 16. Juli 2017

Es lässt sich auf den Tag genau belegen: Am 7. Februar 1930 besuchte der renommierte Fotograf Albert Renger-Patzsch (1897 - 1966) das im Jahr zuvor errichtete Nürnberger Werk des Motorradherstellers Zündapp.

In 62 Fotografien dokumentierte er das gesamte Unternehmen: Gebäude, Sozial- und Direktionsräume - vor allem aber die Werkhallen mit ihrem Maschinenpark.
Aus Anlass des Gründungsjubiläums 1917 werden 23 dieser Originalabzüge präsentiert.

In den Aufnahmen finden sich alle Elemente, die Renger-Patzsch zu einem Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit in der Fotografie machen: Exakt in Reihe stehende Motorräder zeigen ornamentale Qualitäten, Handräder an Maschinen wirken wie abstrakte Malerei, die Sheddächer der Fabrik werden zu einem Spiel von Linien.

Darüber hinaus sind die Bilder sozialhistorische Dokumente, zeigen sie doch raue Arbeitsbedingungen: Der Arbeiter am Säurebad trägt keine Schutzbrille, offene Transmissionsriemen durchziehen die Hallen und der Lackierer trägt keinen Atemschutz.
Renger-Patzsch dokumentiert auch Wirtschafts- und Industriegeschichte: In allen Produktionsabläufen dominiert das Fließband, dem das Unternehmen Zündapp seinen Erfolg entscheidend verdankte.

Wirtschaftlicher Erfolg durch Rationalisierung

Die Firma "Zünder-Apparatebau GmbH" wurde 1917 in Nürnberg gegründet - wie der Name schon andeutet, vor allem zur Herstellung von Rüstungsgütern. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs suchte das Unternehmen neue Betätigungsfelder und fand diese im Bau von "Motorrädern für jedermann". Durch damals hochinnovative Fließbandfertigung konnte der Preis mit 1.425 Reichsmark schon beim ersten Serienmodell "Z 22" vergleichsweise niedrig gehalten werden - ein Kleinwagen kostete das Zwanzigfache.

Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Bis Ende der 1930er Jahre stieg Zündapp zu einer der fünf größten Motorradfabriken Europas auf. Nach dem Krieg konnte man mit Modellen wie dem "Grünen Elefant" KS 601 oder dem Motorroller "Bella" an frühere Erfolge anknüpfen und trug zur Mobilisierung der Bevölkerung im Wirtschaftswunder bei. Anfang der 1980er Jahre verlor das Unternehmen dann jedoch den Anschluss an die japanische Konkurrenz. Im August 1984 musste der letzte deutsche Motorrad-Hersteller in Familienbesitz Konkurs anmelden.

Der Zündapp-Nachlass im Deutschen Technikmuseum

Das seit den 1960er Jahren in München angesiedelte Werk wurde 1984 an ein chinesisches Unternehmen verkauft, das es komplett demontierte und im heimischen Tianjin wiederaufbaute.

Dem 1983 eröffneten Museum gelang es, sowohl das komplette Zündapp-Werksarchiv als auch das umfangreiche Firmenmuseum zu übernehmen. Dazu gehören viele Fahrzeuge, darunter auch das Ergebnis eines kurzlebigen Versuch des Unternehmens, ins PKW-Geschäft einzusteigen: Das Kleinauto "Janus", in dem der Fahrer und ein einziger Beifahrer Rücken an Rücken Platz nehmen. Heute wird das Kuriosum in der Ausstellung "Mensch in Fahrt" präsentiert.