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Deutsches Technikmuseum - Objekte im Fokus

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Foto der Hutform: Die Hutform aus gebranntem Ton steht mit der Spitze in einem zweiten vasenähnlichen Tonbehälter, in dem sich unten der Sirup sammelt. In der Hutform bleibt der gereinigte Zucker zurück.

Irdene Zuckerhutform mit Siruppotten, Anfang 19. Jh. © SDTB/Historisches Archiv, Bestand Zucker-Museum

Irdene Zuckerhutform mit Siruppotten, Anfang 19. Jahrhundert

Zuckerhüte kennt fast jeder – auch wenn sie heute allenfalls für die Feuerzangenbowle genutzt werden. Ihre Form ist Jahrhunderte alt und rührt von diesen ebenso alten Zuckerhutformen.
Mit Hutformen trennte man die Zuckerkristalle vom braunen Sirup. Diese Form der Zuckerreinigung wurde bereits 600 n. Chr. durch die Perser erfunden. Damals wurde die Hutreinigungsmethode nur für Rohrzucker angewandt. Doch auch der erste Zucker aus Rüben kristallisierte in solchen Hutformen.

Verfahren

Durch ein Loch an der Spitze des trichterförmigen Gefäßes tropft brauner Sirup aus der erkalteten, kristallisierenden Zuckermasse ab. Zurück bleibt der helle, wenngleich noch nicht ganz weiße Zuckerhut.
Von der Kristallisation bis zum Trocknen des Zuckerhutes braucht es mehrere Wochen.

Raffination heute

So weiß, wie wir Zucker heute kennen, wird er erst durch Raffination. Das bedeutet bei Zucker das Entfärben von braunem Rohzucker aus der Zuckerrübe oder dem Zuckerrohr durch mehrmaliges Auflösen, Filtrieren, Zentrifugieren und Auskristallisieren.
Heutzutage enthält das Produkt über 99,9 % reine Saccharose, "Raffinade" genannt. Der Anteil an Sirup ist also verschwindend gering.

Zuckerhut aus der Zuckerraffinerie Rositz, um 1888/89

Foto eines Zuckerhuts aus der Fabrik in Rositz. Er ähnelt den heutigen für Feuerzangenbowle verwendeten Zuckerhüten

Zuckerhut aus der Zuckerraffinerie Rositz, um 1888/89 © SDTB/Historisches Archiv, Bestand Zucker-Museum

"BROD RAFFINADE"

Die Form der Zuckerhüte rührt von der historischen Hutreinigungsmethode her. Die Kegelform des Zuckerhuts wird auch als "Brod" bezeichnet. Deshalb enthält der Aufkleber auf der Verpackung die Aufschrift "BROD RAFFINADE". In dieser Form wird Zucker bis heute hergestellt.

Herkunft

Dieses seltene Stück stammt aus dem Besitz von Prof. Dr. E. O. von Lippmann, der von 1885-1889 in Rositz Fabrikdirektor war. Während seiner leitenden Tätigkeit in großen deutschen Zuckerfirmen erhielt er 1901 den Professorentitel und lehrte von 1926 bis 1933 an der Martin-Luther-Universität in Halle.

"Ungeblaut"

Als die Technologie zur Gewinnung von Zucker noch nicht so ausgereift war, hatte der Zucker - aufgrund des ihm anhaftenden Sirups, der Melasse - eine gelblich-braune Farbe. Auch dieser "ungeblaute" Zuckerhut strahlt nicht in hellem Weiß.

Durch das Hinzufügen von Ultramarinblau bei der Raffination wurde Zucker deshalb optisch zum Weiß hin aufgehellt. Der Trick funktionierte, da Blau die Komplementärfarbe zu Weiß ist. Diesen Vorgang nannte man "Blauen".
Dieses Prinzip wurde bis in die 50er Jahre auch für die aufhellende Wirkung von Waschmitteln genutzt. Daran erinnern heute noch die blauen Krümel in einigen Weißwaschmitteln. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Blauen eingestellt.

Die Verfahren in den Zuckerfabriken sind heutzutage so ausgereift, dass oft nicht einmal mehr eine Raffination (Reinigungsverfahren) notwendig ist, um weißen Zucker herzustellen.

Blau verpackt

Den Reinheitsgrad des Zuckers erkennt das Auge an seiner weißen Farbe. Um das Weiß des Zuckers hervorzuheben, ist der Zuckerhut blau verpackt. Bis heute wird die Farbe Blau bei Zucker-Verpackungen verwendet.