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Deutsches Technikmuseum - "Architectura navalis - Schwimmender Barock"

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Die Webseiten der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (SDTB) auf einen Blick:

Stiftung

Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Grafik: Auf dem Bild ist ein mit Feder gezeichneter Dreimaster mit gehissten Segeln zu sehen, unter dem Schiff einige blaue Tintenkleckse.

Ausstellungsplakat © BNF / Grafik: Schiel-Projekt GmbH

Foto: Die Stockwerksgliederung der Kastelle in drei deutlich voneinander abgesetzten Geschossen ist gut zu erkennen – es handelt sich um erste Einflüsse von Gebäudearchitektur an Land.

Die deutsche Karacke JESUS VON LÜBECK (um 1512) gehört zu den ersten Schiffen, die eine deutliche Stockwerksgliederung aufweisen. © SDTB / Foto: C. Kirchner

Foto: Eine ausladende Balkonbrüstung fällt bei dem beigefarbenen Braunton des Holzmodell sofort ins Auge. Darüber prangt das brandenburgische Wappen.

Die ROTER LÖWE (ca. 1597) mit Erscheinungsbalkon unterhalb des Heckkastells © SDTB / Foto: C. Kirchner

Foto: Das Heck des Schiffsmodells ist übersät mit goldenen Ornamenten und Figuren. Ganz oben ragt die mittlere goldene Hecklaterne hervor.

Die SOVEREIGN OF THE SEAS (um 1637), das erste 100-Kanonen-Linienschiff: mit Stockwerksgliederung und Giebel, dekorativ ausgestaltet. © SDTB / Foto: C. Kirchner

Foto: Auf dem Holzmodell dominieren die Farben Rot und Gold. Putten und Karyatiden (weibliche Stützfiguren) sind nebeneinander aufgereiht. Im als Bühne inszenierten Giebel reitet der Monarch mit Schwert auf einem Schimmel.

Kurbrandenburgischer Zweidecker FRIEDRICH WILHELM ZU PFERDE (um 1681) © SDTB / Foto: C. Kirchner

Zeichnung: Die Zeichnung weist viele symbolträchtige Elemente auf. Im Giebel befindet sich ein Portrait von Ludwig XIV., dem Sonnenkönig, im Mittelgeschoss das französische Herrscherwappen mit den drei Lilien.

LE BRILLANT: Entwurf der Heckfassade von Jean Bérain, 1690 © Musée national de la Marine, Paris / Repro

Zeichnung: Auf dieser Entwurfszeichnung ist die Galionsfigur ein männlicher Engel, der sich einen Waffengurt um den nackten Oberkörper geschnallt hat und zwei Posaunen in seiner rechten Hand trägt.

L’AMBITIEUX: Entwurf einer Galionsfigur von Jean Bérain, 1691 © Service historique de la Défense, Vincennes

Zeichnung: Seitentasche einer Schiffszeichnung mit Fenstern in der mittleren Reihe und einem ovalen Fenster im Giebel. Links befindet sich eine Soldatenuniform unter der Hecklaterne.

LE SAINT LOUIS: Entwurf einer Seitentasche von Jean Bérain, 1693 © Musée national de la Marine, Paris /Repro

"Architectura navalis – Schwimmender Barock"

Schifffahrt-Ausstellung, Neubau, 2. OG

11. Oktober 2018 bis zum 13. Oktober 2019

Was verbindet die großen Segelschiffe des Barock (ca. 1575-1770) mit den Palästen Ludwigs XIV.?
Die Ausstellung entführt Besucherinnen und Besucher in die ausdrucksstarke und formengewaltige Epoche des Barock und gibt überraschende Antworten auf diese zunächst ungewöhnliche Frage.

Foto: Das Modell weist an seinem Heck zwei Fensterreihen mit Balkon auf und endet oben mit einem Giebel, auf dem zwei goldene Soldaten neben einem Herrscherportrait posieren.

Die ALEKSANDR NEWSKIHJ: Dieses Modell eines 1787 in Dienst gestellten russischen 74-Kanonen-Linienschiffes zeigt eine Variante entwickelter architektonischer Heckgestaltung. © SDTB / Foto: C. Kirchner

Aufgezeigt wird die Wechselwirkung von repräsentativen Schiffsgestaltungen und herrschaftlicher Gebäudearchitektur in Frankreich und welchen Einfluss diese auf die Leitmotive des Barock und seiner Spätform, des Rokoko, hatte.

Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der Schiffshecks, speziell im barocken Frankreich. Dort war der Schiffbau geprägt von strengen Organisationsstrukturen, hoch qualifizierten Künstlern und Wissenschaftlern sowie engen personellen Verbindungen zum Schlossbau. Exakt aus diesen Gründen lässt sich der Ursprung des Rokoko auf den Schiffbau Frankreichs zur damaligen Zeit zurückführen, so die These der Ausstellung.

Architektur als Mittel zur Darstellung souveräner Macht

Insbesondere die absolutistischen Herrscher wie der Sonnenkönig Ludwig XIV. und sein Nachfolger Ludwig XV. betrieben die Inszenierung ihrer Machtstellung mit großem Aufwand.

Dabei beschränkte sich ihre repräsentative Herrschaftsarchitektur nicht nur auf ortsfeste Bauten an Land. Auch die großen dreimastigen Segelschiffe wurden, insbesondere in ihrem weithin sichtbaren Heckbereich, nach Art einer Gebäudearchitektur entworfen. Aus dem bloß funktionalen, teils mit Dekor geschmückten Heckelement entwickelte sich eine regelrecht architektonisch gestaltete Schiffsheckfassade.

Grafik: Die jeweiligen Bauelemente, die bei einem Gebäude und einem Schiffsheck gleich sind, werden gezeigt.

Interaktive Darstellung zum Vergleich der Architekturmerkmale zu Land und auf See © SDTB / natani

Mit dieser architektonisch geprägten Baukunst des Schiffes – der architectura navalis – begann ein neues Kapitel der Schiffbaugeschichte. Die Schiffe wiesen die für den Barock typischen Architekturmerkmale auf, die von Schlössern und Palästen bekannt sind: dreigeschossige Stockwerksgliederung, Erscheinungstüren und -balkone, Giebel, Portraitmedaillons, Risalite sowie Stütztrompen, Sockel und Verdachungen. Unsere interaktive Darstellung veranschaulicht diese Übertragung.

Übertragung von Land auf See und zurück

Durch eine Reihe kreativer Schritte wurden die architektonischen Bauteile und Gestaltungsprinzipien repräsentativer Gebäudefassaden auf den komplex geformten Schiffskörpern verwirklicht. Auch Dekorelemente, wie die früher schon auf Schiffen vorhandenen Muschelornamente, wurden in diesen Prozess einbezogen und besonderen Verformungen unterworfen.

Foto: Das prunkvolle blaue Schiffsheck ist in drei Stockwerke gegliedert. Goldene Trägerfiguren der unteren Etage stützen die zentrale Etage. Eine goldene Balustrade führt am oberen Stockwerk entlang, das oben in einem großzügigen Giebel endet.

Die SOLEIL ROYAL, in Dienst gestellt um 1690, gehörte zu den prächtigsten Linienschiffen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Das Heck weist die für den Barock typischen Architekturmerkmale auf. © SDTB / Foto: C. Kirchner

Foto: Ein Holzmodell mit am Giebel gebrochenem Heck ist halbseitig als offenes Spantenmodell konstruiert. Der Schriftzug „LE VENGEUR“ ist auf der Namenstafel deutlich zu lesen.

LE VENGEUR: Spantenmodell um 1765 im Maßstab 1 : 48. Um einen architektonisch ganzheitlichen Eindruck hervorzurufen, sind die Seitentaschen verlängert und setzen harmonisch den Heckspiegel seitlich fort. © Musée national de la Marine, Paris

In der Gegenrichtung zur Übertragung ortsfester Architektur auf Schiffe lässt sich für das Rokoko (Spätbarock) ein besonderer Rücktransfer vom Meer auf das Land rekonstruieren. Die aus der Schiffsarchitektur stammenden Asymmetrien, besonderen Gliederungen und Formgebungen – allen voran beim Motiv des Muschelrandes – hielten Einzug in die Innengestaltung repräsentativer Gebäude.

Prunkvolle Schiffsmodelle, Riesenmuschelschale und Zeichnungen

Auf 250 Quadratmetern sind hochwertige Schiffsmodelle, Kunstgegenstände, Entwurfszeichnungen und Architekturfragmente zu sehen.

Höhepunkte der Schau sind ein Spantenmodell aus dem 18. Jahrhundert, eine Riesenmuschelschale mit ca. 100 cm Durchmesser sowie die Reproduktionen eindrucksvoller Entwurfszeichnungen aus der Feder der bedeutendsten Schiffsgestalter Jean Bérain (1640-1711) und François-Antoine Vassé (1681-1736), die als Vorlagen für die realen Schiffe dienten.

Das Ausstellungsprojekt ist eine Forschungskooperation mit der RWTH Aachen.

Begleitband

Als Begleitband zur Ausstellung erscheint zeitgleich die Publikation "Schwimmender Barock.
Das Schiff als Repräsentationsobjekt"

im be.bra Verlag.
(ISBN 978-3-89809-153-4, 159 Seiten,
ca. 150 farbige Abb., Klappenbroschur, inklusive Pop-up-Schiffsmodell, 24 Euro)



Zeichnung: Auf der dreigeteilten Schiffszeichnung sind Heck, Seitentasche und Galion eines französischen Kriegsschiffes zu sehen. Dort winden sich Putten, Adler und Muschelränder.

LE FOUDROYANT ("Der Blitzeschleuderer"): Entwurf Heckfassade, Seitentasche und Galion von François-Antoine Vassé, 1723. Das Bildprogramm bezog sich auf die Eigenschaften des Herrschers. © Service historique de la Défense, Vincennes / Repro

Headerbild:
Grafik: Ein mit Feder gezeichneter Dreimaster mit gehissten Segeln, teilweise mit blauen Tintenklecksen überzogen. © BNF / Grafik: Schiel-Projekt GmbH