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Deutsches Technikmuseum - Februar

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Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Objekt des Monats Februar 2018

Foto: Die beiden Bücher sind aufgeklappt und zeigen eine Lok auf der Drehscheibe vor einem Lokschuppen und ein Autorennen vor voll besetzter Tribüne. Die Motive erscheinen durch raffinierte Faltung des Kartons plastisch.

Das plastische Innenleben der Aufklapp-Bilderbücher "Hallo! Meine Eisenbahn!" und "Frohe Fahrt!" © SDTB, Bibliothek / Foto: C. Kirchner

Zwei Aufklapp-Bilderbücher, 1938 und 1939

Buchillustrationen müssen dem Leser nicht unbedingt eine nur zweidimensionale Welt eröffnen. Seit der Erfindung des Buchdrucks – und sogar schon davor – gab es Werke mit beweglichen Elementen.

Hierbei handelte es sich oft um Lehrbücher zur Astronomie oder Anatomie, in denen mehrere übereinandergelegte Papierlagen aufgeklappt oder mittels einer Fadenverbindung aufgedreht werden konnten.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erlaubten ausgereifte Drucktechniken den Verlagen, verschiedenste räumlich wirkende, bewegliche Büchertypen zu entwickeln.

Eine besondere Form stellen dabei die zuerst in England und Amerika, aber bald danach auch in Deutschland erstellten Aufklapp-Bilderbücher dar. Hier entsteht nach dem Aufklappen einer Seite durch raffinierte Faltung des Kartons eine räumliche Wirkung. Inhaltlich richten sich diese Bücher in erster Linie an Kinder. Daher sind die meisten dieser kleinen Kunstwerke Märchen oder Tiergeschichten.

Zeichnung: Farbig illustrierter Buchdeckel des Aufklapp-Bilderbuches "Frohe Fahrt!" von 1938. Vier Limousinen befahren die Reichsautobahn, die durch eine grüne Hügellandschaft führt, und von einer Fußgängerbrücke winken zahlreiche Personen.

Mary Leuschner: Frohe Fahrt! J. F. Schreiber Graphische Kunstanstalt. Esslingen. 1938. © SDTB, Bibliothek / Foto: C. Kirchner

Frühe Pop-Up-Bücher

Die beiden hier ausgestellten Bücher erschienen 1938 und 1939 und zeigen Züge und Autos. Herausgegeben wurden sie von der Esslinger J. F. Schreiber Graphischen Kunstanstalt, die unter der Bezeichnung "Schreibers Stehauf-Bilderbücher" von 1937 bis 1953 zahlreiche Titel im Programm hatte.

Viele dieser Bücher erlebten diverse Auflagen. Auch italienische, spanische und englische Ausgaben wurden selbst oder in Lizenz produziert.

Während der NS-Zeit nutzte der Verlag die Aufklapp-Technik aber auch, um Kinderbücher wie "Deutsche Soldaten" (1938) zu produzieren, das die Militärtechnik verherrlichte und so die NS-Ideologie unterstützte.

In den 1970er Jahren erfuhren die mittlerweile unter der Bezeichnung Pop-Up-Bücher geläufigen Aufklapp-Bücher eine Wiederbelebung. Die Freude am dreidimensionalen Buch scheint bis heute ungebrochen, wie zahlreiche Neuerscheinungen belegen.