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Deutsches Technikmuseum - Notenstecherei Paris

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Webseitenübersicht

Die Webseiten der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (SDTB) auf einen Blick:

Stiftung

Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

SW-Foto: Ein Paar Filzpantoffeln steht ordentlich nebeneinander auf dem Boden. Daneben ein kaputter Stuhl, Holzbalken und Kartons.

Wer viel Zeit in der schlecht beheizten Notenstecherei verbringt, braucht warme Pantoffeln.

SW-Foto: Das große Handrad der Druckerpresse mit seinen sechs Griffen sieht aus wie ein Stern.

Die Tiefdruck-Handpresse wurde zur Herstellung von Korrekturabzügen benutzt.

SW-Foto: Holzregal mit Kästen, in denen die unterschiedlichen Werkzeuge sortiert sind.

Setzkästen für Stempel oder Punzen werden in einem alten Kinderregal aufbewahrt.

SW-Foto: Die Schubladen der Kommode sind mit Zetteln mit Aufschriften wie "Farbe" oder "große Umschläge" beklebt.

Eine Kommode zur Aufbewahrung von Arbeits- und Büromaterialien.

SW-Foto: An einem Schlüsselbrett hängen ein einsamer Schlüssel und eine Spülbürste.

Fotograf Clemens Kirchner hat auch einen Blick für besondere Details.

Notenstecherei Paris, Berlin

Fotografien einer verlassenen Werkstätte

Galerie der Fototechnik-Dauerausstellung

11. Juli bis 18. November 2018

Tische voller Stempel, Stichel und anderer Werkzeuge, Druckpressen und geöffnete Farbbehälter, ordentlich abgestellte Filzpantoffeln: Die Fotografien vermitteln den Eindruck, als komme der Inhaber der Werkstatt gleich zurück an seinen Arbeitsplatz.

SW-Foto: Paris' Werkstatttisch am Fenster, mit viele Notensticheln und anderen Werkzeugen. Auf dem Stuhl hängt noch ein Arbeitskittel.

Der Blick durch das Werkstattfenster auf die Berliner Ringbahn. Gerade verlässt eine S-Bahn den nahen Bahnhof Schönhauser Allee.

Entstanden sind diese stimmungsvollen Bilder Anfang 1991, aufgenommen von dem Museumsfotografen Clemens Kirchner.

Sie dokumentieren unverfälscht die Wirkungsstätte des Notenstechermeisters Hans-Joachim Paris, der im November 1990 verstarb. Paris war der letzte Meister dieses alten Handwerks in Berlin.

Seine Familie betrieb die Notenstecherei seit Ende des 19. Jahrhunderts an wechselnden Standorten im Norden Berlins. In der Werkstatt an der Kopenhagener Straße in Berlin-Prenzlauer Berg arbeitete Paris in seinen letzten Lebensjahren weitgehend alleine.

Das Deutsche Technikmuseum erwarb von Paris' Witwe das Inventar und die Werkzeuge. Clemens Kirchner gelang es, vor der Auflösung auf außergewöhnlich zurückhaltende Weise den Zauber einzufangen, den die Werkstatt in ihrem verlassenen und unberührten Zustand ausstrahlte.

Die alte Technik des Notenstichs

Jahrhundertelang war der Notenstich eine wichtige Voraussetzung dafür, Notenblätter zu vervielfältigen. Dabei wurden die Musiknoten in weiche Druckplatten aus Metall gestochen und eingeschlagen.

SW-Foto: Raumansicht der Werkstatt - mit Tischen, Stühlen, Öfen, Regalen und Druckerpressen.

Die verlassene Werkstatt des Notenstechermeisters Hans-Joachim Paris, 1991

Mit einem Stahlstift skizzierte der Notenstecher zunächst das Layout auf die Druckplatte. Mithilfe von Stempeln wurden dann Notenzeichen eingeschlagen - jeder Stempel erforderte einen speziellen Schlag mit dem Hammer. Notenhälse, Hilfslinien oder Balken wurden mit Sticheln frei mit der Hand aus der Platte ausgehoben. Falsche Zeichen wurden mit einer Zange auf der Rückseite markiert und mit einem entsprechenden Stempel zurückgeschlagen. Die Vorderseite musste für das richtige Zeichen wieder geglättet und die Linien nachgezogen werden.

In mühevoller und zeitaufwändiger Handarbeit erstellte der Stecher so spiegelverkehrte Vorlagen für Notendrucke. Dabei war ein Gespür für Musik unabdingbar, um ein lesefreundliches Ergebnis für die Musiker zu gewährleisten. Im besten Fall verriet bereits die Optik des Blattes den Charakter des Musikstückes. Seit Anfang der 1990er Jahre wird diese Arbeit von Computern unterstützt. Dennoch basiert eine große Anzahl heute noch benutzter Notenblätter auf von Hand gestochenen Druckvorlagen.

Museumsfotograf Clemens Kirchner

Clemens Kirchner, 1960 in Berlin-Tempelhof geboren, arbeitete nach seiner Fotografen-Ausbildung zuerst als Portraitfotograf und machte sich danach selbstständig. Seit 1985 ist er im Deutschen Technikmuseum angestellt. Gerade bei Dokumentationsaufnahmen sind ihm der richtige Blinkwinkel und ein ästhetischer Wert der Bilder wichtig.

Headerbild:
Werkzeuge zum Bearbeiten der Druckplatten: Mit den Sticheln (im Ständer hinten) werden Linien und Bögen ausgehoben, mit den Stempeln (Bildmitte) Notenköpfe und Buchstaben eingeschlagen.

© für alle Fotos (alle schwarzweiß): SDTB, Historisches Archiv / Foto: Clemens Kirchner