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Deutsches Technikmuseum - April

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Objekt des Monats April 2011

Foto: Eine bauchige hellblaue Porzellankaffeekanne im Design der zwanziger Jahre. Die Tülle ist weggebrochen.

Die Mitropa-Kaffeekanne © C. Kirchner/SDTB

Zerbrochene Kaffeekanne, um 1932

Eine beschädigte Kaffeekanne gibt Rätsel auf – und erzählt eine Geschichte.

Der Schriftzug "Mitropa" zeigt, dass sie früher einmal der Mitteleuropäischen Schlafwagen- und Speisewagen-Gesellschaft gehört hat. Das Unternehmen wurde während des Ersten Weltkrieges gegründet, um Züge im deutschen Machtbereich zu bewirtschaften.

Auf der Unterseite stehen die Angabe "Form A 85" und der Name des Herstellers: Bauscher in Weiden. Der Ort liegt in der Oberpfalz, wo geeignete Tonvorkommen zur Grundlage der Porzellanindustrie wurden. Seit hundert Jahren liefert Bauscher das Geschirr für Speisewagen.

Die Kanne ist zerbrochen. Sie wurde vermutlich schon vor dem Zweiten Weltkrieg beschädigt und weggeworfen. Erst vor wenigen Monaten hat sie ein Schatzsucher auf einer stillgelegten Müllkippe ausgegraben.

Der aufschlussreiche Blick ins kobaltblaue Innere

Durch den Schaden ist es ausnahmsweise möglich, in das Innere des Objekts zu sehen, ohne es zu diesem Zweck zerstören zu müssen: Der hellblaue Farbton der Oberfläche findet sich auch im Baustoff der Kanne, nicht nur in ihrer Glasur. Eine durchgehende Färbung des Materials war nicht unbedingt anzunehmen, denn die blaue Farbe wurde mit Hilfe von Kobaltoxid erzeugt. Eine belgisch-französische Bahngesellschaft hat die hellblaue Farbe zuerst um 1890 verwendet, und die Mitropa kopierte das seit 1917.

Kobalt ist teuer. Es wird auch bei der Stahlerzeugung benutzt, um das Metall verschleißfester zu machen. Kobalt musste importiert werden. Als das Deutsche Reich nach 1933 mit seiner Aufrüstung begann, wurde Kobalt zumeist in der Rüstung verwendet. Für Geschirr stand das Material im "Dritten Reich" nicht mehr zur Verfügung. Mitropa-Porzellan wurde seit 1934 nur noch in weißer Farbe erzeugt. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg kam man nicht mehr auf diese traditionelle Farbgebung zurück.