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Deutsches Technikmuseum - Juli

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Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Objekt des Monats Juli 2016

Foto: Auf einem Schienenstück liegen drei Knallkapseln. Die runden Scheiben sind so breit wie die Schienenoberkante und zirka einen Zentimeter hoch. Daneben fünf Transportbehälter in den Warnfarben Rot oder Gelb, zwei mit dem Warnsymbol für Sprengstoff.

Explosive Warnung vor Gefahr auf der Strecke: Knallkapseln und Transportbehälter © SDTB / Foto: C. Kirchner

Knallkapseln und Transportbehälter der deutschen Eisenbahn, 20. Jahrhundert

Knallkapseln gehören sicherlich zu den kuriosesten Ausrüstungsgegenständen, die man auf einer Lokomotive oder in der Tasche eines Streckenwärters finden kann.

Sie haben jedoch einen ernsten Hintergrund: Noch bis 1986 wurden sie von der Deutschen Bundesbahn offiziell als Schutzsignal "Sh 4" verwendet.

Die Kapseln kommen zum Einsatz, wenn eine Gefahrenstelle abgesichert werden muss und das Risiko besteht, dass bei Nebel oder Schneetreiben optische Signale nicht mehr wahrgenommen werden können. Dazu werden die Knallkapseln 700 bis 1000 Meter vor der Gefahrenstelle auf die Schiene gelegt. Fährt eine Lokomotive über die mit Sprengstoff gefüllten Kapseln, explodieren diese, ohne dabei die Lokomotive zu beschädigen. Der laute Knall ist das Signal an den Lokführer, seinen Zug unverzüglich anzuhalten.

Plakat: Eine Lokomotive fährt über eine Knallkapsel. Diese explodiert, ein dicht daneben stehender Bahnbeamter wird von auffliegenden glühenden Kapselfragmenten getroffen. Ein anderer, der mindestens 50 m Abstand hält, bleibt unverletzt.

Arbeitsschutzplakat der Reichsbahn, um 1920: Der Einsatz von Knallkapseln erfordert besondere Vorsicht! © SDTB / Historisches Archiv

Eine Sicherungseinrichtung, deren Einsatz gefährlich werden kann

Die Schiene mit den drei Knallkapseln - allerdings ohne Sprengstofffüllung! -  stammt aus der historischen Sammlung des ehemaligen Berliner Verkehrs- und Baumuseums aus der Zeit vor 1945. Die speziellen Behälter zur sicheren Aufbewahrung der Kapseln kommen hingegen direkt von der Deutschen Bundesbahn und gelangten 1987 in die Sammlung des Deutschen Technikmuseums.

Heute werden Knallkapseln bei der Deutschen Bahn nicht mehr eingesetzt. Verschiedene Neuerungen, wie etwa der Zugfunk, haben ihre Verwendung überflüssig gemacht. Eine Ausnahme bilden lediglich Züge wie der ICE 3 MF für den grenzüberschreitenden Verkehr nach Frankreich und Belgien, wo Knallkapseln noch immer zu den üblichen Sicherungseinrichtungen gehören.