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Deutsches Technikmuseum - Pressemappe Wegbereiter des Mondflugs - Koelles Unterlagen jetzt in Berlin

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Wegbereiter des Mondflugs – Koelles Unterlagen jetzt in Berlin

Das Deutsche Technikmuseum in Berlin übernimmt den wissenschaftlichen Nachlass des Raketentechnikers und Raumfahrtwissenschaftlers Heinz-Hermann Koelle

Das Deutsche Technikmuseum in Berlin hat den Nachlass des Raketentechnikers Heinz-Hermann Koelle (1925-2011) übernommen. Der Luft- und Raumfahrtwissenschaftler arbeitete ab 1955 im Forschungs- und Entwicklungszentrum für Raketen Redstone Arsenal der U.S. Army in Huntsville, Alabama, im Team von Wernher von Braun. Bald leitete Koelle dort eine Abteilung mit mehr als 70 Mitarbeitern, die sich vor allem mit Projektstudien für mehrstufige Raketen für die bemannte und unbemannte Raumfahrt beschäftigte. Zu seinen Aufgaben gehörten der Entwurf der späteren Mondrakete „Saturn V“ und Planungen für eine – nie verwirklichte – permanent besetzte Mondstation. 1958 war Koelle Mitglied des Startteams für den ersten US-Satelliten Explorer 1. An der Mondlandung am 21. Juli 1969, deren 50. Jahrestag zurzeit gefeiert wird, war er jedoch nicht mehr aktiv beteiligt. 1965 kehrte der Raketentechniker und Raumfahrtwissenschaftler nach Deutschland zurück und wurde Leiter des Instituts für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität Berlin, wo er fast 30 Jahre lang tätig war.
Die Familie Koelles hat sich vor Kurzem entschlossen, den wissenschaftlichen Nachlass zur weiteren Erschließung der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin zu übergeben. Nun wird er im Historischen Archiv des Berliner Museums für die zukünftige Nutzung aufbereitet.

Koelles Nachlass: Gesammelte Unterlagen in einer ganz besonderen Ordnung

Heinz-Hermann Koelles wissenschaftlicher Nachlass ist in einem Dutzend Hängeregistratur-Schränken mit jeweils vier Schüben organisiert. Er umfasst Schriftgut und andere Materialien zur Raumfahrtforschung und damit verwandter Gebiete, die Koelle im Rahmen seiner vielfältigen Studien und Tätigkeiten in der Zeit von 1948 bis 2008 zusammentragen konnte. Diese einzigartige Sammlung nimmt im deutschsprachigen Raum eine besondere Stellung ein: Sie bietet eine wichtige Grundlage für weitere Forschungen zur frühen Entwicklung der Raketenwissenschaften sowie der Raumfahrttechnik.

Der Bestand gliedert sich in drei Teile. Teil 1 bilden Koelles in Hängemappen abgelegte Akten, Teil 2 die von ihm veröffentlichten Publikationen, Berichte und Manuskripte. Teil 3 enthält eine vollständige Ausgabe der von Koelle zwischen 1993 und 2009 herausgegebenen Fachzeitschrift „Lunar Base Quarterly“. Ergänzt wird der Nachlass durch die etwa zehn Regalmeter umfassende Handbibliothek Koelles.

Zur Gliederung und Ordnung seiner Unterlagen nutzte Koelle die von dem österreichischen Luft- und Raumfahrtpionier Eugen Sänger (1905 -1964) nach 1950 entwickelte dreistellige Dezimalklassifikation (DCA) zur Weltraumforschung. Koelle verfeinerte und erweiterte die Gliederung, die bis in die Mitte der 1960er Jahre mehrere Neuauflagen erfuhr. Mithilfe der DCA ist bereits jetzt eine analoge Nutzung des Nachlasses möglich. Um in Zukunft auch online in dem Bestand recherchieren zu können, soll in einem ersten Schritt die Klassifikation in die Archivdatenbank des Deutschen Technikmuseums eingelesen und mit den einzelnen Akten so verbunden werden, dass ein Zugriff auf die Dokumente möglich ist.

Koelles Lebenstraum: Weltraumforschung

Heinz-Hermann Koelle wurde am 22. Juli 1925 in Danzig geboren. Er begeisterte sich früh für Raumfahrt und die Fliegerei. Im Zweiten Weltkrieg war er Kampfpilot und geriet nach kurzer Einsatzzeit, Anfang 1945, in amerikanische Gefangenschaft, aus der er 1946 wieder entlassen wurde. Im gleichen Jahr begann er sein Maschinenbaustudium in Stuttgart, das er 1954 erfolgreich mit einer Arbeit zu Raketenantrieben abschloss. Während seines Studiums organisierte Koelle die Neugründung der Gesellschaft für Weltraumforschung und die Neugründung der Stuttgarter Akademischen Fliegergruppe.

Mitglied im Team Wernher von Brauns in Huntsville

Auf Einladung Wernher von Brauns reiste Koelle 1955 in die USA und wurde Mitglied seines Teams. Von Braun war zu dieser Zeit einer der weltweit erfahrensten Raumfahrtmanager. Er war für die entscheidenden Erfolge in der Raumfahrt verantwortlich, die die USA im Wettlauf mit der Sowjetunion benötigten. Von Brauns Verantwortung hinsichtlich seiner Verstrickungen mit dem NS-Regime bei der Entwicklung der als V2 bekannt gewordenen Großrakete, deren Produktion durch Zwangsarbeiter Tausende Todesopfer forderte, interessierte damals in der öffentlichen Wahrnehmung nur wenige.
Koelle selbst rückte aufgrund seiner umfangreichen theoretischen Kenntnisse schnell in die Spitzengruppe der Mitarbeiter in Huntsville auf. Dies gelang ihm, obwohl er wesentlich jünger als die anderen Teammitglieder war und bis dahin keinerlei praktische Erfahrungen bei der Raketenentwicklung sammeln konnte. Er war maßgeblich an den ersten erfolgreichen unbemannten Flügen amerikanischer Satelliten beteiligt und spielte eine wichtige Rolle beim Entwurf der Saturn-Trägerrakete, die für die Mondlandung entwickelt wurde. Schließlich wurde Koelle Direktor der Abteilung für Zukunftsprojekte und war für die Planung zukünftiger Raumtransportsysteme verantwortlich. Dabei beschäftigte er sich unter anderem mit wiederverwendbaren Raumtransportern, aus denen später der Space Shuttle hervorging. Als eine der wichtigsten Veröffentlichungen Koelles gilt das 1961 erschienene „Handbook of Astronautical Engineering“. In dem rund 2000 Seiten starken Werk fasste Koelle als Herausgeber das Raumfahrtwissen der frühen 1960er Jahre zusammen.

Rückkehr nach Deutschland

Koelles Kontakte nach Deutschland intensivierten sich wieder, als er 1963 an der Technischen Universität (TU) Berlin promovierte. 1965 trat er dort die Nachfolge von Eugen Sänger an, dem Leiter des ersten deutschen Lehrstuhls für Raumfahrttechnik. Bis zu seiner Pension im Jahr 1991 blieb Koelle an der TU. Kurz vor seinem Tod Anfang 2011 in Berlin stellte er zurückblickend fest, dass er fast alles verwirklichen konnte, was er sich vorgenommen hatte – nur im Weltraum und auf dem Mond war er nicht.

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    PM: Wegbereiter des Mondflugs - Koelles Unterlagen ...

  • Heinz-Hermann Koelle mit Kollegen im Raketen-Entwicklungszentrum Redstone Arsenal der U.S. Army in Huntsville, Alabama, circa 1957.

    Raketen-Spieltrieb

  • Heinz-Hermann Koelle während der Zeit, als er in Stuttgart seine Diplomarbeit verfasste, frühe 1950er Jahre.

    Der Raketentechniker am Zeichenbrett