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Technoversum - Fühlen, Hören, Sehen - 200 Jahre Blindenbildung in Berlin

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Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Fühlen, Hören, Sehen - 200 Jahre Blindenbildung in Berlin
Ausstellung für Blinde und Sehende im Deutschen Technikmuseum Berlin
- 1. Juli bis 15. Oktober 2006 -

Vor 200 Jahren gründete August Zeune in Berlin die erste deutsche Schule für blinde Kinder. Im Zeitalter der europäischen Aufklärung erhielten erstmalig auch Blinde eine Chance auf Bildung und Berufsausbildung.
Die Ausstellung "Fühlen, Hören, Sehen" folgt anhand von Objekten, historischen Fotos, Modellen und Medienstationen der zweihundertjährigen Geschichte der Blindenbildung in Deutschland und der Erwerbstätigkeit von Blinden bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.
Das Deutsche Technikmuseum Berlin geht mit der Sonderausstellung für Blinde und Sehende inhaltlich und methodisch neue Wege zu einem für alle zugänglichen und verständlichen Museum. Die Ausstellung wurde konzipiert von Anna Döpfner, Leiterin der Abteilung Bildung. Begleitend gibt es eine Audioführung und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm.

Ausstellungsgestaltung
Die Ausstellungsgestaltung des Berliner Designstudios Franke/Steinert zeichnet sich durch integrierte blindengerechte, teilweise neuartige Lösungen aus. In jedem Raum gibt es Tastmodelle zur Orientierung. Über ein Bodenleitsystem können die blinden Besucherinnen und Besucher die Ausstellung im Uhrzeigersinn erkunden. Sehbehinderten erleichtert der Einsatz von starken Farbkontrasten die Erschließung. Die Objekte befinden sich in offenen oder geschlossenen Vitrinen, die von Blinden selbstständig geöffnet werden können. Alle Texte in rot-weißem Farbkontrast sind zusätzlich in Punktschrift geschrieben. Zu den Filmen an den Medienstationen sind akustische Beschreibungen abrufbar.

Fühlen, hören, sehen
Der Tastsinn ist der erste Sinn, den ein noch ungeborenes Kind zur Erkundung seiner Umgebung nutzt. Hören ist wichtig für die Entwicklung des Sprechens und der Orientierung im Raum. Sehen ist darüber hinaus maßgeblich für die Teilhabe an der - durch Schrift und Bild geprägten - westlichen Gesellschaft. Ist die Sehfähigkeit eingeschränkt oder gar nicht vorhanden, dienen in erster Linie der Tast- und Hörsinn zur Wahrnehmung der Umwelt. Anhand von Modellen werden die anatomischen Grundlagen der Sinnesorgane Haut, Ohr und Auge erklärt. Reliefs, Skulpturen - größtenteils aus der Blindenschule
Königs Wusterhausen - und Musik geben eine Vorstellung von der Wahrnehmung und Ausdrucksweise blinder Künstlerinnen und Künstler.

Mit den Händen be-greifen
In diesem Ausstellungsbereich werden die Anfänge der Blindenbildung beispielhaft an einzelnen Unterrichtsfächern gezeigt:
Im Anschauungsunterricht wird den Schülerinnen und Schülern mit verschiedenen Hilfsmitteln wie ausgestopften Tieren oder Reliefs eine Vorstellung von den Dingen vermittelt. Sie lernen, ihre Hände als Werkzeuge zu benutzen, um die Umwelt zu be-greifen.
Die Punktschrift von Louis Ferdinand Braille, der als Gutenberg der Blinden gilt, revolutionierte 1825 die Blindenbildung. Viele Lehrer an Blindenschulen fürchteten jedoch lange eine weitere Isolierung der Sehgeschädigten durch die Braille-Schrift als vermeintliche Geheimschrift, die sich in den 1870er Jahren dennoch durchsetzte. Die Ausstellung zeigt Objekte zu gescheiterten Versuchen, Schwarzschrift - die Schrift der Sehenden - für Blinde zu erschließen. Beispiele dafür sind ein Stachelschriftkasten von 1835 oder ein aus Draht gefertigtes Alphabet von 1773.

Sport, Musik und Erdkunde
Die Orientierung und Bewegung sehgeschädigter Menschen im Raum erfordert ein besonderes Maß an Koordination, Körperbewusstsein und Mut. Im Sportunterricht werden diese Fähigkeiten trainiert. Wie in Schulen für Sehende übten sich Jungen und Mädchen im Geräteturnen, Schwimmen und in der Leichtathletik. Mädchen erhielten zusätzlich Gymnastikunterricht. Die Ausstellung präsentiert Fotos und Sportgeräte aus dem Turnunterricht blinder Kinder der 1930er und 1950er Jahre.
Jahrhunderte lang war die Musik der einzige Bereich, in dem Blinde als Musiker, Komponisten, seit dem 19. Jahrhundert auch als gelernte Organisten oder Klavierstimmer, gesellschaftlich Anerkennung fanden. Der Musikunterricht hatte daher stets einen hohen Stellenwert, wie die frühen Versuche um eine tastbare Notenschrift oder verschiedene Schulinstrumente zeigen. August Zeune war Geograf und legte daher besonderes Augenmerk auf den Erdkundeunterricht. Er entwickelte Hilfsmittel wie Reliefkarten und -globen, die weltweit Verbreitung fanden. Eine lederne Weltkarte von 1880 mit einem Durchmesser von 1,70 Meter ist eines der herausragendsten Objekte in der Ausstellung.

Blindenerwerbsarbeit
Die Berufsausbildung blinder Menschen konzentrierte sich neben der musikalischen Ausbildung zunächst auf die Korb- und Bürstenmacherei, das bis heute klassische Blindenhandwerk. Mit dem Erstarken von Selbsthilfevereinen von Blinden und aufgrund der hohen Anzahl so genannter Kriegsblinder erschlossen sich die Sehgeschädigten nach dem Ersten Weltkrieg auch Industrie- und Büroarbeitsplätze. Die Ausstellung zeigt verschiedene Maschinen, die in Industrie und Handwerk von Blinden genutzt wurden, beispielsweise eine Rohrspaltmaschine von 1930 und eine Mehrspindelbohrmaschine von 1920. Zum Thema Büroarbeit wird unter anderem die Schreibmaschine "Gerda" von 1919 für einarmige Kriegsblinde ausgestellt.

Fröbelunterricht: Vom Nahen zum Fernen - vom Konkreten zum Abstrakten
Ein wichtiges Mittel der Blindenpädagogik ist bis heute der Unterricht nach Friedrich Fröbel, einem der ersten Reformpädagogen des 19. Jahrhunderts. Im "Fröbelunterricht" steht das Lernen durch Anschauung im Mittelpunkt, und der Lernprozess hat Vorrang vor dem Ergebnis. Mit Hilfe von Fröbelbaukästen und Fädelarbeiten sollen Kinder - blinde und sehende gleichermaßen - nicht nur nachahmend lernen, sondern im eigenen Tun kreativ werden.

Audioführung
Die einstündige Führung ist für Blinde und Sehende gleichermaßen konzipiert. Blinden dient sie als zusätzliche Orientierungshilfe. Über die Ausstellungstexte hinaus schlägt der Rundgang den Bogen in die heutige Zeit und bietet vertiefende Informationen und Musikstücke wie Eigenkompositionen der Dürener Blindenschulband und verschiedener Zeitzeugen.

Rahmenprogramm
Tasten und Lernen, Tasten und Gestalten - das sind die zentralen Themen des Rahmenprogramms mit Führungen, Mitmachaktionen für Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene während der Ferien sowie einem speziellen Angebot für Schulklassen. Das Programm wird von ausgebildeten Blindenpädagoginnen durchgeführt. Nicht nur Blinde und Sehbehinderte werden mit ihrer Geschichte in Berührung gebracht, sondern auch sehenden Menschen sollen die Augen etwas weiter geöffnet werden. Nähere Informationen werden in den beiden Ausstellungsflyern für Sehende und Blinde bekannt gegeben.

  • Geografieunterricht in der Blindenschule Berlin-Steglitz, um 1925. Foto aus der Sonderausstellung: Fühlen, Hören, Sehen - DTMB

    Geografieunterricht

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    Schauplatz Hörspiel - Bilder, Töne, Technik - ...

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    Flyer zur Ausstellung "Fühlen, Hören, Sehen - ...

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    Fühlen, Hören, Sehen - 200 Jahre Blindenbildung ...

  • Blinde Schülerin beim Tasten einer Landkarte. Foto aus der Sonderausstellung: Fühlen, Hören, Sehen - DTMB

    Blinde Schülerin mit Landkarte.

  • Stelzenlaufen im Sportunterricht, Blindenschule Berlin-Steglitz, 1930er Jahre. Foto aus der Sonderausstellung: Fühlen, Hören, Sehen - DTMB

    Stelzenlaufen

  • Blinde Schülerin beim Lesen eines Punktschriftbuches, um 1955. Foto aus der Sonderausstellung: Fühlen, Hören, Sehen - DTMB

    Blinde Schülerin mit Punktschriftbuch.

  • Anschaulicher Biologieunterricht, Blindenschule Berlin-Steglitz, 1930er Jahre. Foto aus der Sonderausstellung: Fühlen, Hören, Sehen - DTMB

    Blinder Junge ertastet ausgestopftes Tier.

  • Geräteturnen in der Blindenschule Berlin-Steglitz, 1950er Jahre. Foto aus der Sonderausstellung: Fühlen, Hören, Sehen - DTMB

    Beim Geräteturnen.

  • Punktschriftschreibmaschine Picht, Berlin, 1906  "Sechs Punkte reichen". Foto aus der Sonderausstellung: Fühlen, Hören, Sehen - DTMB

    Punktschriftschreibmaschine

  • Stachelschriftkasten, 1835. Die Stachelschrift  war eine letztlich erfolglose Alternative zur Punktschrift. Foto aus der Sonderausstellung: Fühlen, Hören, Sehen - DTMB

    Stachelschriftkasten, 1835

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    Begleitprogramm zur Ausstellung "Fühlen, Hören, Sehen - ...