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Deutsches Technikmuseum - Mai

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Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Objekt des Monats Mai 2011

Foto des langen Basisstabs. In die Elfenbeinschicht sind braune, rechteckig angeordnete Markierungen und lateinische Worte eingeritzt. Vergrößert ist mehrmals das Wort "Numera" zu entziffern.

Eines der ältesten erhaltenen Exemplare eines Jakobsstabs © C. Kirchner/SDTB

Jakobstab, um 1700, vermutlich aus dem süddeutschen Raum

Was ist das? Welche Funktion hatte der 50 Zentimeter lange, aus Holz gefertigte und mit Elfenbein belegte Stab?

Jahrzehntelang lag er im Schrank der Großmutter von M. Gräfe und galt der Familie als Schneider-Elle. Der Leihgeber machte sich auf die Suche nach des Rätsels Lösung und fand Überraschendes heraus: Es handelt sich um den Peilstab eines Jakobstabes für die Landvermessung. Der Querstab ist nicht mehr erhalten.

Knapp 130 Jakobstäbe sind weltweit bekannt, die meisten stammen aus dem 18. Jahrhundert. Der vorliegende Jakobstab wird älter geschätzt. Seine Ausführung in Elfenbein ist ungewöhnlich aufwändig, Skala und Beschriftung sind präzise und in Handarbeit gefertigt.

Messinstrument für Astronomie, Landvermessung und Breitengradbestimmung

Ein Jakobstab ist ein Winkelmesser, der den Winkel zwischen zwei Punkten bestimmt. Solche Punkte können Bergspitzen, Landschafts- oder Gebäudepunkte, Gestirne oder der Horizont sein. Dieses Messinstrument für Astronomie und Landvermessung wurde erstmals von dem griechischen Mathematiker Archimedes (3. Jahrhundert v. Chr.) beschrieben und im 14. Jahrhundert im lateinischen Westeuropa bekannt.

Der Name "Jakobstab" geht auf die Ähnlichkeit des Instruments mit einem Sternbild zurück, das zu jener Zeit mit dem Pilgerstab des Jacobus Major – dem Heiligen Jacobus, einem Jünger Jesu – verglichen wurde. Vom 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts setzte sich der Jakobstab auch in der europäischen Seefahrt für die Breitengradbestimmung durch. Danach verlor er an Bedeutung.