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Deutsches Technikmuseum - August

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Die Webseiten der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (SDTB) auf einen Blick:

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Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Objekt des Monats August 2016

Foto: In Corpus und Deckel des Koffers aus Krokodillederimitat sind 20 Glaselektroden in unterschiedlichen Formen, die von pilzförmig bis kammähnlich reichen. Außerdem der Handgriff und ein elektromechanischer Unterbrecher mit der Aufschrift "PHÖNIX".

Gesundheit im Koffer - der Hochfrequenzapparat © SDTB / Foto: C. Kirchner

Hochfrequenzapparat der Marke PHÖNIX, 1926 - 1930

Mit dem Einzug der Elektrizität in die Haushalte erfreut sich auch der Hochfrequenzapparat ab den 1910er Jahren wachsender Beliebtheit. Die Firma Paul Ätsch GmbH aus Thüringen stellt zwischen 1926 und 1930 monatlich 2000 Hochfrequenzapparate der Marke PHÖNIX her.

Basierend auf Tesla-Strömen werden hier hochfrequente Wechselströme mit hoher Spannung erzeugt. Die elektrischen Reize gelangen über Elektroden aus Glas auf die Haut und verursachen einen wärmenden Effekt. Bei der drei- bis fünfzehnminütigen Anwendung wird die mit Gas gefüllte Elektrode auf die zu behandelnde Körperstelle gelegt und leuchtet in violetten, roten oder gelben Farbtönen auf.

Universalgerät mit Geheimnis

Ganz dem Zeitgeist entsprechend - Elektrizität gilt als modernes Lebenselixier - wird der Apparat als Universalgerät eingesetzt, um nahezu alle organischen und psychischen Beschwerden zu lindern.

Grafik: Eine Frau in Morgenmantel liegt auf einem Sofa. Sie hält sich einen Stab mit abgerundetem Aufsatz ans Gesicht. Vor ihr ein geöffneter Koffer mit allem Zubehör. Über der Frau steht der Schriftzug "Gesundheit ins Haus".

Titelseite einer Bedienungsanleitung © SDTB / Historisches Archiv

Je nach Krankheitsbild und Körperstelle werden Elektroden mit flachen, pilzförmigen oder kammähnlichen Aufsätzen verwendet. Flache Elektroden werden vorrangig zur Behandlung von Muskelverspannungen genutzt, der punktuelle Einsatz erfolgt bei Pickeln und anderen Hautwunden. Auch innere Organe und schwerwiegendere Leiden wie Epilepsie, Rheuma oder Asthma werden behandelt.

Doch der Hochfrequenzapparat birgt auch ein Geheimnis. Um die als typisches Frauenleiden diagnostizierte Krankheit "Hysterie" zu lindern, wird der weibliche Genitalbereich mit elektromechanischen Massagen stimuliert. Beworben wird diese erotische Stimulation jedoch unter dem Deckmantel der Gesundheitspflege.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Produktion der Hochfrequenzapparate eingestellt und die Verwendung im Haushalt verboten: Aufgrund der Abstrahlung elektromagnetischer Wellen war es zu Empfangsstörungen im Rundfunk und Funkbereich gekommen.