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Deutsches Technikmuseum - September

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Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Objekt des Monats September 2018

Foto: Das prunkvolle blaue Schiffsheck ist in drei Stockwerke gegliedert. Goldene Trägerfiguren der unteren Etage stützen die zentrale Etage. Eine goldene Balustrade führt am oberen Stockwerk entlang, das oben in einem großzügigen Giebel endet.

Das Modell der LE SOLEIL ROYAL (Maßstab 1 : 100) ist Eigentum des Internationalen Maritimen Museums Hamburg. © SDTB / Foto: C. Kirchner; Modellbauer: H. Bosma (2. Hälfte 20. Jh.)

LE SOLEIL ROYAL, um 1690

Was an dem Schiffsmodell sofort ins Auge fällt, ist das prunkvoll gestaltete Heck – typisch für ein königliches Schiff aus dem Barock.

Die SOLEIL ROYAL (frz.: königliche Sonne) wurde um 1690 in Dienst gestellt. Sie gehörte zu den prächtigsten Linienschiffen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. und ist eines der Objekte, die vom 11. Oktober 2018 bis 13. Oktober 2019 in der Sonderausstellung "Architectura navalis – Schwimmender Barock" im Deutschen Technikmuseum präsentiert werden.

Foto: Der Giebel der LE SOLEIL ROYAL zeigt einen Sonnenwagen, gelenkt vom Sonnenkönig Ludwig XIV., gezogen von vier Rossen.

Der Giebel der LE SOLEIL ROYAL: Der Sonnenkönig lenkt die Welten. Für alle Details des prachtvollen Hecks bitte zoomen!

Repräsentative schwimmende Gebäude

Das Heck der LE SOLEIL ROYAL weist die für den Barock typischen Architekturmerkmale auf, die von Schlössern und Palästen bekannt sind: die dreigeschossige Stockwerksgliederung, ein Erscheinungsbalkon und ein Giebel.

Im Giebel ist ein Sonnenwagen zu sehen, der von vier Pferden gezogen und vom Sonnenkönig Ludwig XIV. gelenkt wird. Das Bildprogramm des Schiffes spielt auf den Anspruch des französischen Monarchen an, nicht nur über alle vier damals in Europa bekannten Kontinente zu herrschen, sondern auch über die noch unbekannten Welten.

Tatsächlich beschränkte sich im Barock die ausgeprägte repräsentative Herrschaftsarchitektur nicht nur auf ortsfeste Bauten an Land, sondern war auch auf See zu finden. Die großen dreimastigen Segelschiffe wurden zu Repräsentationsobjekten; der Heckbereich wurde nach Art der Gebäudearchitektur entworfen.
So verwandelten sich Schiffe allmählich von bloßen Wasserfahrzeugen zu repräsentativen schwimmenden Gebäuden.

Grafik: Auf dem Bild ist ein mit Feder gezeichneter Dreimaster mit gehissten Segeln zu sehen, daneben ein großer blauer Tintenklecks.  Am rechten Rand des Segelschiffes steht der Schriftzug „Architectura navalis“ senkrecht von unten nach oben.

Die Ausstellung "Architectura navalis"

Die Sonderausstellung nimmt die Wechselwirkung von Landarchitektur und Schiffsheckarchitektur im Barock (etwa in der Zeit von 1575 bis 1770) und ihren Einfluss auf die Leitmotive des Rokoko in den Blick.

Zentrale Themen sind die Entwicklung der Schiffe von zweckmäßigen Wasserfahrzeugen zu schwimmender Herrschaftsarchitektur, die Wirkung der geometrischen Prinzipien des Schiffbaus auf architektonische Elemente und die Übernahme von Dekormotiven der Schiffe auf die Landarchitektur des französischen Rokoko. Auf 250 Quadratmetern werden dazu hochwertige Schiffsmodelle, Schiffszeichnungen und Architekturfragmente präsentiert.

Das Ausstellungsplakat zeigt eine grafisch bearbeitete Schiffszeichnung der Royal Louis von 1667. Sie war von 1677 bis 1691 als eines der Flaggschiffe für die französische Flotte auf dem Mittelmeer im Einsatz.
(Vorlage aus: Hayet, Description du vaisseau le Royal Louis, Marseille, 1677 © Bibliothèque Nationale de France / Grafik: A. Seifert)