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Deutsches Technikmuseum - Verborgene Strukturen

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Webseitenübersicht

Die Webseiten der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (SDTB) auf einen Blick:

Stiftung

Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Foto: Die verschiedenen geometrischen und floralen Muster des Gewebes entstanden durch das Hinzufügen zusätzlicher Kettfäden beim Weben. Der reich verzierte Seidenstoff wurde für Damenoberbekleidung verwendet.

Detailaufnahme eines kettlancierten Gewebes, Anfang 20. Jahrhundert

Foto: Der feine Farbverlauf von Grün zu Blau entstand während des Webens des Schmuckbands durch eine spezielle Färbung der verwendeten Seidengarne.

Seidenband, Ripsbandgewebe, um 1895
Das Gewebe kann heute nicht mehr hergestellt werden.

Foto: Die für das Schmuckband verwendeten Seidenfasern wurden in der sogenannten Schattenfärbung veredelt, wodurch beim Weben der Farbverlauf entstand.

Seidenband, Detailaufnahme eines Ripsbandgewebes, um 1895

Foto: Ausschnitt aus der großen Blüte des Tüllgewebes oben rechts

Tüllgewebe, Ganzdreher © SDTB

Foto: Leuchtende Zweige auf dunklem Grund: Die gelben Blüten des floralen Musters bestehen aus Chenille, einem voluminösen und samtartigen Effektgarn.

Schussbrochégewebe, um 1890

Foto: Das Blumenmuster des Brochégewebes wirkt wie aufgestickt. Es wurde jedoch in einem sehr aufwändigen Prozess eingewebt. Der Stoff aus Seide wurde für gehobene Festbekleidung hergestellt.

Detailaufnahme eines Schussbrochégewebes, um 1890

Foto: Eine Besucherin schiebt eine auf dem Tisch platzierbare High-Tech-Lupe, die das Hineinzoomen in die Muster durch intuitives Drehen ermöglicht.

"Blütenschau" mit der High-Tech-Lupe © SDTB / Foto: C. Kirchner

Verborgene Strukturen

Eine fotografische Reise in die Welt der Textilien

Kleine Galerie, Fototechnik-Dauerausstellung, Beamtenhaus, 2. OG

13. November 2019 bis 10. Mai 2020

Jeden Tag unseres Lebens sind wir von Textilien umgeben. Sie begleiten uns tagtäglich ein Leben lang.

Foto: Ein netzartiges Gewebe mit schwarzweiss-kariertem Grundmuster, dessen Kettfäden von türkisfarbenen und gelben Schussfäden umschlungen sind, die ein Blumenmuster ergeben.

Tüll, Ganzdreher

Seit rund 150 Jahren werden Textilien in Deutschland industriell hergestellt. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Tausende verschiedener Gewebearten für unzählige Verwendungszwecke. Das Wissen um die Herstellungsweisen ist den Rationalisierungsmaßnahmen seit den 1930er Jahren zum Opfer gefallen.

Auch die Webstühle, auf denen die Gewebe hergestellt wurden, existieren schon lange nicht mehr. Heute kann nur noch ein Bruchteil der damaligen Vielfalt an Strukturen, Farben und Materialien der Gewebe industriell hergestellt werden.

Die Ausstellung "Verborgene Strukturen. Eine fotografische Reise in die Welt der Textilien" ermöglicht einen Einblick in diese verlorene Welt. Anhand 20 ausgewählter Textilproben werden die verlorenen Strukturen der Gewebe sichtbar gemacht.

Durch hochaufgelöste Detailfotografien des Berliner Fotografen Heiner Büld in fast mikroskopischem Maßstab werden der künstlerische und der technische Blick auf die Textilien vereint. Der dabei entstehende Einblick in die Strukturen der Textilien offenbart die ganz eigene Ästhetik der Gewebe und zeigt den Zusammenhang zwischen Stoff, Bindung und Herstellungstechnik.

Foto: Durch die spezielle Webtechnik ergeben sich zwei Gewebelagen. Durch die beiden verschieden elastischen Garne, Gummilitze und Seide, tritt das Blasenmuster besonders hervor.

Detailaufnahme eines Blasengewebes, um 1930

Doch jeder Versuch, das Besondere der so verschiedenen Gewebe in der Fläche, ohne Bewegung, Faltenwurf und Lichtspiel festzuhalten, scheiterte bislang.
Das Geheimnis des Textilen liegt in ihrer räumlichen Disposition. Die Einheit von Material und Bindung ist selbst schon Skulptur. Zudem changieren oft Farben und Texturen mit der Richtung des Blicks und der Lichtquelle. Deshalb halten Handel und Gewerbe trotz des hohen Aufwands am Musterbuch fest.

Foto: Die Sonderausstellung kombiniert die historischen Stoffmuster der Sammlung Wieland Poser mit hochauflösenden Detailfotografien des Berliner Fotografen Heiner Büld.

Betrachtung eines historischen Stoffmuster-Fotos am Interactice Scape Tisch in der Ausstellung © SDTB / Foto: C. Kirchner

Interaktiver Multi-Touch-Tisch mit Lupen-Anwendung

Die stark vergrößerten Gewebeausschnitte werden in der Ausstellung auf 50 x 300 Zentimeter großen Wandpaneelen ausgestellt.

Fünf ausgewählte Digitalisate der Stoffmuster laden am Multi-Touch-Tisch der Berliner Firma Interactive Scape GmbH dazu ein, näher betrachtet zu werden. Digitale High-Tech-Lupen ermöglichen den Besucherinnen und Besuchern durch intuitives Drehen, die Textilien tiefer zu erkunden. Dabei werden verschiedene Materialien und Bindungen, aber auch natürliche Gebrauchsspuren, lose Fäden und vieles mehr sichtbar.

Der Fotograf Heiner Büld

Heiner Büld studierte Sinologie, Philosophie und Jura an der Freien Universität Berlin, bevor er an der Hochschule der Berliner Künste (heute UdK) als wissenschaftlich-künstlerischer Mitarbeiter tätig war. Er baute den Bereich "Kunst und Medien" an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle (Saale) mit auf und ist heute freiberuflicher Fotograf.

Seine Fotos erfassen die Textilien in ihrer natürlichen Dreidimensionalität. Dies erfordert nicht nur technisches Geschick im mikroskopischen Umgang mit Kamera, Objekt und Licht, sondern auch die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung.

Heiner Büld lebt und arbeitet in Berlin.

Die Sammlung von Wieland Poser

Professor Wieland Poser, 1941 in Weimar geboren, war bis 2006 an der Burg Giebichenstein in Halle an der Saale als Professor für Modedesign/Textil tätig. Seit den 1970er Jahren forschte er zu Ziviltextilien. Dies umfasst alle Textilien, die im Alltag der Menschen verwendet werden, vorwiegend Kleider-, Möbel- und Dekorationsstoffe. Ziel seiner Forschung war eine lexikalische Erfassung aller Textilqualitäten textilen Qualitäten aus der Zeit zwischen 1880 und 1940. Poser erfasste rund 2.300 Textilarten und sammelte dazu mehrere hundert Belegexemplare.

2016 übernahm das Deutsche Technikmuseum seine Sammlung. Die Textilien werden in Kooperation mit der HTW Berlin, unter Leitung von Prof. Dr. Dorothee Haffner, inventarisiert und digitalisiert. Unter anderem inspirierten die historischen Textilien in einem Projekt Studierende des Studiengangs Modedesign zu neuen Textildruckmotiven.

Headerbild:
"Floral", ein kettlanciertes Gewebe, Anfang 20. Jahrhundert.
Die verschiedenen geometrischen und floralen Muster des Gewebes entstanden durch das Hinzufügen zusätzlicher Kettfäden beim Weben. Der reich verzierte Seidenstoff wurde für Damenoberbekleidung verwendet.

© für alle Gewebe-Fotos: Heiner Büld